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Ulysses
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Premiere: 20.3.2026 Virgina Woolf nannte ihn „den langweiligsten Roman der Welt“. Kurt Tucholsky verglich dieses Werk mit einem Maggi Brühwürfel, der über Generationen hinweg mittelmäßig aufgebrüht werden würde. Ulysses, der Roman, der James Joyce für immer berühmt machte, gilt nichtsdestotrotz als eines der großen literarischen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts. Bei der Veröffentlichung wurde der Roman als blasphemisch und pornografisch verdammt und schon bald in mehreren Ländern zensiert oder verboten. Angelehnt an die Irrfahrten des griechischen Helden Odysseus, schildert Joyce die Ereignisse eines einzigen Tages, dem 16. Juni 1904, in Dublin. Doch statt heroischer Abenteuer erlebt das Romanpersonal die alltäglichen Prüfungen des Lebens in einer urbanen, entfremdeten Welt. Diese Welt gleicht in ihrer Normalität über alle Zeiten hinweg auch der unseren. Und auch die Begegnungen gleichen weniger den mythischen Herausforderungen der antiken Monster Skylla und Charybdis, sondern eher denen, die auch unser Leben bestimmen. Die Handlung folgt drei Hauptfiguren: Stephen Dedalus, einem jungen, intellektuellen Künstler, Leopold Bloom, der mit Freund:innen und Unbekannten durch Dublin Kassel irrt, und Molly Bloom, Leopolds vorgeblich untreuer Ehefrau. Über ihre Schulter hinweg erleben wir eine männlich geprägte Welt – von der Antike bis heute. Die Geschichten der Figuren verweben sich durch ihre Kämpfe, nicht gegen Ungeheuer, sondern mit Themen wie Identität, Einsamkeit, Liebe, Sexu- alität und den Sinn des Lebens. Bert Zander wählt diesen Roman als Vorlage und verlagert die radikal menschliche Erzählung des Ulysses in den Theaterraum – und mit Live-Videoaufnahmen auch in die Stadt, ihre Kneipen, Taxis und Straßen. Ästhetisch einzigartig, lässt Bert Zander eine Welt zwischen Video und Theater entstehen und macht so in seiner, nach FAUSTGretchen und Krieg und Frieden, dritten Arbeit am Staatstheater Kassel einen weiteren großen Stoff der Weltliteratur neu erfahrbar. Fragt man ihn, wie er Handlung und Moral des Romans zusammenfassen würde, zitiert Zander das letzte Wort des Ulysses: „Yes.“ In Kooperation mit dem Irish Pub Kassel: The Shamrock. Schauspiel Regie: Bert Zander Bühne und Kostüme: Lene Schwind Musik: Erik Veenstra Licht: Stefanie Franke Video: Bert Zander Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Laura Kohlmaier Produktionsleitung: Winnie Wilka
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Raststätte Jammertal
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Uraufführung: 27.3.2026 „Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon Das Himmelreich errichten.“ Das schreibt der berühmte Dichter Heinrich Heine in seinem Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen, als er 1843 in sein geliebtes, sein gehasstes Deutschland reist, um seine Mutter zu besuchen. Schon seit zwölf Jahren lebt er im französischen Exil und hat Sehnsucht nach der Heimat: Heine, der Jude, der Christ, der Deutsche, der Franzose, der Romantiker, der Erotiker, der ironische Überwinder der Romantik – und der politische Schriftsteller. Der Freund von Marx und Engels erhofft sich eine emanzipatorische Revolution für Deutschland und kann doch nicht die Augen verschließen vor allem, was dem im Wege steht und was er kunstvoll-spöttisch in seiner Dichtung besingt: den deutschen Korpsgeist, die Spießigkeit, die Schwermütigkeit, die Ordnungsliebe und die gar nicht so liebe Ordnung, die durch Gewalt und Zensur in seinem Geburtsland herrscht. Und heute? Wo stehen wir in Bezug auf Heines Deutschlandkritik und seinem Ruf nach Veränderung angesichts der globalen Polykrisen, des allgemeinen Vertrauensverlustes in die Demokratie, der Rückkehr des Konservatismus, Autoritarismus, Chauvinismus, Populismus, Nationalismus, des universalen „Me First“, „Nation First“? Was ist aus Heines neuem Lied geworden? Singen wir wieder das alte? Autor und Regisseur Alexander Eisenach lässt sich in dieser Stückentwicklung von Heines lyrischem Werk inspirieren, um nach Zonenrandgebiet (UA) und Anthropos Antigone (UA) seine poetisch-politische Erforschung deutscher Geschichte in Kassel fortzuschreiben und die Frage nach unserem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis, unseren Zukunftsängsten und reaktionären Sehnsüchten – der GERMAN ANGST – zu stellen. Und doch, trotz alledem: „Gib dich zufrieden, Vater Rhein, Denk nicht an schlechte Lieder, Ein besseres Lied vernimmst du bald – Leb wohl, wir sehen uns wieder.“ In Kooperation mit dem Institut für Germanistik der Universität Kassel und dem Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben. Regie: Alexander Eisenach Bühne: Sibylle Pfeiffer, Carsten Rüger Lichtdesign: Carsten Rüger Kostüme: Bettina Werner Sounddesign: Sven Michelson Video: Oliver Rossol Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Animation: Sarah Franke Dramaturgie: Alexander Olbrich Beleuchtungsmeister: Oskar Bosman
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König Lear
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
„Welche von euch liebt mich am meisten?“, fragt König Lear seine drei Töchter Goneril, Regan und Cordelia, um sein Reich nach dem beschworenen Liebesbekenntnis gerecht unter ihnen aufzuteilen. Doch er verrechnet sich: Ausgerechnet seine liebste Tochter Cordelia weist den Liebeswettbewerb zurück und fordert stattdessen Ehrlichkeit. Lear – außer sich vor Wut – verbannt sie und teilt sein Land unter den anderen beiden Töchtern auf. Bedingung: Er und sein Gefolge werden Monat für Monat abwechselnd von einer der beiden verpflegt und untergebracht. Doch Goneril und Regan sind dieser Forderung schnell überdrüssig, wollen ihn loswerden und entmachten ihn bei der erstbesten Gelegenheit. Der einstmals große König, gänzlich auf die nackte menschliche Existenz reduziert, verfällt zunehmend dem Wahnsinn, von allen verlassen – außer seinem Hofnarren. Da kommt Meldung aus Frankreich, dass die verbannte Cordelia ein Heer aufgestellt hat, um ihn zu retten und gegen die eigenen Schwestern zu kämpfen. Eine beispiellose Gewaltspirale wird in Gang gesetzt. An ihrem Ende sind alle tot. Fast. Wie sieht es heute aus, wenn ein Herrscher abtritt und sein Land oder seinen Besitz der nächsten Generation übergibt? Ändern sich damit Machtstrukturen? Thomas Melle bleibt in seiner Bearbeitung zwar nah an der Handlung des Originals, verschiebt jedoch wichtige Akzente hin zu einem zeitgemäßen Generationenkonflikt und katapultiert das Stück auch sprachlich ins Heute, in eine Welt im Umbruch. In dieser Welt kämpfen verfeindete Lager mit Hilfe von „alternativen Wahrheiten“, niemand diskutiert miteinander, stattdessen ringen alle hasserfüllt um Deutungshoheit. Doch was hält die Weltgemeinschaft noch zusammen, wenn sie von keiner gemeinsam geteilten Wahrheit mehr getragen wird? In der Regie von Lars-Ole Walburg, bekannt in Kassel unter anderem als Regisseur von Singletreff (UA), Auf Wache (UA) und Der Funke Leben (UA), entwickelt sich Shakespeares grausame Tragödie zu einem düsteren Sinnbild für unsere moderne Gesellschaft, in der sich verschiedene Weltanschauungen und Realitäten ohne Kommunikationsbereitschaft unversöhnlich gegenüberstehen – und Machtgier die einzige Konstante bleibt. Regie: Lars-Ole Walburg Bühne: Maria-Alice Bahra Kostüme: Maria Walter Musik (auch Live): Martin Engelbach Licht: Brigitta Hüttmann Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Alexander Olbrich In Kooperation mit dem Fachgebiet Literaturwissenschaft Anglistik und Amerikanistik der Universität Kassel.
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RAVE
Staatstheater Kassel - INTERIM
Premiere: 28.2.2026 Less Drama, More Techno! In den 90er-Jahren entwickelte sich Kassel neben Frankfurt und Berlin zur dritten Techno-Hochburg Deutschlands. Im Zentrum stand ein legendärer Club: das Aufschwung Ost, später Stammheim. Hier schuf eine kleine Clique von Techno-Enthusiasten eine deutschlandweite Pilgerstätte der neuen Subkultur – mit unverwechselbarem Design und sogar einer eigenen Comicreihe. International bekannte Größen wie Dr. Motte und DJ Rush erwiesen dem Kultort die Ehre und feierten auf bis zu drei Stockwerken und 5.000 m² Dancefloor die einzigartige Atmosphäre. Es waren die unbeschwerten 90er-Jahre: Aufbruchstimmung und Entgrenzungserfahrungen in den langen Nächten von Freitag auf Montag. Das Jahr 2002 markierte das Ende dieser Ära: Nach jahrelangen Konflikten um Lärmbelästigung, Müllberge und Drogenmissbrauch wurde der Mietvertrag des legendären Clubs schließlich nicht verlängert. Was blieb, war eine Lücke in der Kasseler Kulturlandschaft. Über zwei Jahrzehnte später greift das Schauspiel Kassel diesen faszinierenden Teil der Stadtgeschichte wieder auf und holt ihn an einem neuen Ort – dem INTERIM – aus der Versenkung. Durch eine Phase intensiver Recherche ist ein Theaterstück entstanden, das weit über eine rein historische Rückschau hinausgeht. Es ist eine Hommage an die Liebe zur elektronischen Musik und eine Untersuchung des Lebensgefühls einer ganzen Generation. Welche Utopie steckte im Techno damals und welche Relevanz hat Clubkultur heute? Laura N. Junghanns’ dritte Arbeit in Kassel entwickelt sich vom Dokumentarischen ausgehend hin zu einem Rave: Schrille Kostüme, hypnotische Bühneneffekte und die wummernden Beats von DJ Chi bilden den Rahmen für einen Cast, der alle Grenzen sprengt. Und schließlich sind auch einige der Kasseler Szenegrößen mit am Start. Was soll da noch schiefgehen? Nichts. Alles. Ein Rückblick mit Liebe, der tanzwütig in der Gegenwart ankommt. No regrets, please – less drama, more techno! In Kooperation mit dem PLUS-Ensemble des Staatstheaters Kassel und dem Club Graf Karl. Regie und Text: Laura N. Junghanns Bühne und Video: Elizaweta Veprinskaja Kostüme: Ariella Karatolou Musik und Sounddesign: DJ Chi Choreographie: Frida Laux Grafische Bildkomposition/Grafikdesign: Jens und Valentin Bringmann&Kopetzki Licht: Holger Tschersich Live-Video: Victoria Koberstein Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Alexander Olbrich Produktionsleitung: Winnie Wilka Projektleitung JUST+: Carlotta Rogge
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| Oper
Die Fledermaus
Staatstheater Kassel - INTERIM
Der Champagner ist an allem schuld: Bevor der arrogante Eisenstein seine verordnete Haftstrafe antritt, lässt er es sich noch auf einem Fest des Prinzen Orlofsky gut gehen. Währenddessen empfängt seine Gattin Rosalinde zuhause ihren Liebhaber Alfred, bis der unglücklicherweise statt Eisenstein ins Gefängnis abgeführt wird. In der wohl berühmtesten Operette schwingt sich das dekadente Wiener Leben auf zum doppel- bödigen Tanz mit sektgetränkten Verwechslungsspielen, maskierten Seitensprüngen und bürgerlicher Scheinheiligkeit. Regisseur Philipp Moschitz reiht dieses Spektakel ein in die beliebte Tradition der rauschenden Theaterbälle in Kassel und lässt das Publikum selbst Zeuge und Komplize der „Rache der Fledermaus“ sein: Mittendrin statt nur dabei wird ausgelassen gegessen, sich betrunken und das eine Bein im Walzertakt geschwungen, während das andere schon im Gefängnis steht. Temporeich und voller feinem Humor kommen alle zum Zug, vom gelangweilten Kammermädchen bis zum beschwipsten Gerichtsdiener. Glücklich ist, wer vergisst, in welcher allzu vertrauten Dissonanz all die Leichtigkeit mit dem Wiener Zeitgeist steckt: beschämende Niederlage gegen die Preußen im Nacken, brodelnde Balkankrise und ein Börsencrash, der den hedonistischen Spekulanten ihre Feierlaune verdirbt. Angeheizt durch die wirbelnden Ohrwürmer des Walzerkönigs Johann Strauss verheddert sich die Ballgesellschaft im süßen Strudel ungeahnter Konsequenzen. Unter der musikalischen Leitung von Kiril Stankow entspinnt sich ein kulinarisches Feuerwerk musikalischer Verlockungen, die das sinnlich-sündige Vergnügen komplettieren. Musikalische Leitung: Kiril Stankow Musikalische Assistenz und Nachdirigat: Viktor Jugović Regie: Philipp Moschitz Bühne und Video: Ayşe Gülsüm Özel Kostüme: Claudio Pohle Choreographie: Sven Niemeyer Licht: Holger Tschersich Dramaturgie: Felix Linsmeier Chorleitung: Marco Zeiser Celesti
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| Musiktheater
Aida
Staatstheater Kassel - INTERIM
Zu den weltberühmten Klängen von Verdis Triumphmarsch setzt sich Kassels neues Opernschiff in Bewegung auf seine Fahrt durch den Ozean des Weltmarkts und die Untiefen seiner globalen Krisen. Was als sinnliche Kreuzfahrt unseres theatralen Bühnen-Tankers in Kassels neuem INTERIM startet, wird bald zur Messlatte für ein zukünftiges Musiktheater des Erlebnisses. Und kaum sind wir in See gestochen, schon unken die einen, das Boot sei voll, während die anderen eine neue Verteidigungsfähigkeit einfordern, um den bisherigen Wohlstand an Deck zu erhalten. Trotz seiner mehr als 200-köpfigen Besatzung aus Chor, Extrachor und Statisterie, Staatsorchester, Bühnenorchester und den berühmten sechs Fern-Trompeten sowie dem internationalen Cast aus hervorragenden Solist:innen kommt dieses musikalische Schiff der Träume schon bei der Jungfernfahrt mit Giuseppe Verdis Aida in gehörige Schieflage. Denn bald zeigt sich, dass Verdis rauschende Liebesgeschichte in erster Linie eine Parabel auf den europäischen Imperialismus ist – gerade in den beliebten Chorszenen mit ihren beißenden musikalischen Seitenhieben gegen das kriegslüsterne preußische Militär und seinen Kadavergehorsam. Dieses imperialistische Streben nach einem Platz an der Sonne weckt Erinnerungen an das im Uraufführungsjahr 1871 durch Preußen gewaltsam gegründete Deutsche Reich, das in den Mauern der 1910 gebauten Kasseler Jägerkaserne steckt. Auf deren ehemaligen Exerzierplatz wird das neue INTERIM des ehemals preußischen, jetzt hessischen Staatstheaters Kassel mit Verdis Monumentalwerk im Herbst 2025 eröffnet. Hier gehen Kassels neuer Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis und Intendant Florian Lutz zusammen an Bord und erarbeiten ihre erste gemeinsame Produktion. Operngenuss und partizipative Überraschungen sind natürlich all inclusive. An diesem Ort wird im Geiste Verdis aus der Liebe zwischen der Sklavendienste leistenden Aida und dem Heerführer Radamès ein humanistisches Plädoyer gegen Volk und Nation, Religion und Militarismus, das deutlich macht, dass es kein richtiges Leben im Falschen gibt. Die Produktion Aida wird durch die Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e.V. unterstützt. Musikalische Leitung: Ainārs Rubiķis Musikalische Assistenz und Nachdirigat: Kiril Stankow Regie: Florian Lutz Bühne: Sebastian Hannak Kostüme: Mechthild Feuerstein Video: Konrad Kästner Dramaturgie: Kornelius Paede Chorleitung: Marco Zeiser Celesti
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| Schauspiel
Jugend ohne Gott
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Beim Lesen der Klassenarbeiten wird ein Lehrer mit einer rassistischen Bemerkung konfrontiert, die seinen humanistischen Überzeugungen widerspricht. Er streicht sie an und bekommt es nicht nur mit dem Vater des Schülers, sondern mit seiner ganzen Klasse zu tun: Sie bitten um seine Suspendierung und unterstellen ihm eine staatsfeindliche Gesinnung. Der Lehrer und seine Schüler, die Jugend, die vom herrschenden Regime spielerisch auf den nächsten Krieg vorbereitet wird, entfremden sich zunehmend voneinander. Doch dann geschieht während des Zeltlagers ein Mord an einem der Schüler – und die Suche nach dem Mörder beginnt… Der Roman "Jugend ohne Gott" von 1937 machte den österreichisch-ungarischen Dramatiker Ödön von Horváth international berühmt und galt außerhalb Deutschlands rasch als Roman der Stunde. Im Land war er ebenso schnell verboten. Horváth zeigt nicht nur eine verrohte und radikalisierte Jugend, die die Ideen des Nationalsozialismus verinnerlicht hat, sondern auch eine zutiefst verunsicherte Lehrperson, der ihre Werte unter dem Druck von Alltag und Anpassung zunehmend abhandengekommen sind. Doch bei Horvàth beginnt damit erst der Kampf darum, was es heißt, in polarisierten Zeiten ein Mensch zu bleiben. Regisseur Tobias Schilling setzt mit seiner zweiten Arbeit nach "Gelbes Gold" die politische Befragung der Gegenwart fort und lässt dafür auch Kasseler Jugendliche von heute in ausführlichen Video-Interviews zu Wort kommen. Wie „tickt“ also die junge Generation? Was treibt sie um? Was sind ihre Gedanken, Ängste und Wünsche die Zukunft betreffend? Horváths hellsichtiges Jugendporträt aus den 30er Jahren wird so zur Kontrastfolie unserer eigenen Zeit, um Fragen nach Rechtsruck und Radikalisierung historisch fundiert zu thematisieren. Regie und Fassung: Tobias Schilling Bühne und Kostüme: Simone Wildt Musikalische Leitung: Clemens Dönicke, Felix Thewanger Sounddesign: Felix Thewanger Licht: Oliver Freese Dramaturgie: Alexander Olbrich
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| Schauspiel
Faust Gretchen
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Eine theatrale Videoinstallation von Bert Zander - gemeinsam mit Kasseler Bürger:innen „Meine Ruh ist hin“ – einer der Sätze, die bleiben, wenn man sich den Zitatenschatz aus Goethes Faust vergegenwärtigt. Ein Zitat, das das Dilemma Margaretes, genannt Gretchen, widerspiegelt. Der wohlsituierte Gelehrte Dr. Heinrich Faust hingegen ist in der Sinnkrise, verjüngt durch den Bund mit Mephisto drängt es ihn immer weiter zu weltbewegenden Abenteuern und ganz nebenbei zieht ihn das „Ewig Weibliche“ an. Heinrich ist hin- und hergerissen und sucht den Lärm der Welt. Und Gretchen? Goethe hat den realen Fall der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt (1771) in Frankfurt verfolgt, parallel entstand sein Urfaust , der die althergebrachte Faust-Geschichte nunmehr um die Gretchentragödie ergänzt. Angesiedelt zwischen sozialer Situation und tragischer Liebesgeschichte erzählt sie das reale, fatale und ausweglose Schicksal einer jungen Frau jener Zeit. Nicht nur Faust und sein Begehren, sondern die gewaltigen Umstände der Zeit bringen Gretchen zu Fall. Frauen wie Gretchen waren meist unausgebildet, unwissend, abhängig und bedroht von Armut und Elend. Welche Spuren hinterlässt Fausts Vorwärtsdrängen im Leben Gretchens, die in bürgerlichen, aber doch ärmlichen Verhältnissen lebt? Welche Chance hatte sie im Leben und wäre ein sozialer Aufstieg überhaupt möglich gewesen? Eine junge Frau zwischen Begehren, Selbstbehauptung und sozialem Zwang auf der einen Seite und Bürger:innen auf der anderen Seite, die Gretchens Geschichte zu kennen glauben und sie aus ihrer Perspektive nacherzählen. Für Ihre Rolle als Gretchen war Emilia Reichenbach 2022 für den Gustav Rühle Preis nominiert. „Es ist Zeit, dass wir uns auf den Weg machen Gretchen 2021 ihre Würde zurückzugeben“, so Bert Zander, Regisseur und Videokünstler. Seine bisherigen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Videokunst und Theater waren u. a. an der Volksbühne Berlin, am Thalia Theater Hamburg und am Burgtheater Wien zu sehen. 2020 realisierte er für 3sat / ZDF Camus’ Die Pest als theatrale Miniserie. Eine Kooperation mit der Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e. V. Regie: Bert Zander Bühne & Kostüme: Lene Schwind Schnitt: Fabián Barba Hallal Dramaturgie: Katja Prussas Mitarbeit Regie: Natascha Zander Regieassistenz: Lina Gasenzer Theaterpädagogische Vermittlung: Sabine Koller, Elisabeth Müller
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tHE bAD / Shuv
Staatstheater Kassel - INTERIM
Hofesh Shechter zählt zu den herausragendsten und gefragtesten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Tanzszene. Er ist bekannt für seine eindrucksvollen Choreografien in einer einzigartigen Bewegungssprache, geprägt von hoher Physikalität und Körperlichkeit, mit eigenen Musikkompositionen in epischer Sprengkraft. tHE bAD ist eine abstrakte Choreografie, die darauf abzielt, gängige Muster und Strukturen zu durchbrechen, Anarchie zu leben und zu zelebrieren, aber auch zu hinterfragen. Das Stück feiert die Freiheit und die reine Bewegung, erforscht Rhythmus und choreografische Struktur(en) und untersucht im soghaft-vibrierenden Sound-Mix die Verbindung zwischen Musik und Bewegung, die Verbindung zwischen Leben und Tod. Eyal Dadon untersucht in Shuv das zyklische Verhältnis von Leben und Tod. Der Titel Shuv, was im Hebräischen „wieder“ bedeutet, verweist auf das fortwährende Kommen und Gehen von Leben und Tod. Für Dadon ist der Tod nicht nur das Ende, sondern ein ständiger Begleiter des Lebens, der im Werk in den fließenden Übergängen zwischen musikalischen und tänzerischen Schichten sichtbar wird. Die Bewegungen der Tänzer:innen sind von einem ständigen „Wiederbeginnen“ geprägt, als ob der Tod immer nur der Vorbote eines neuen Anfangs ist. Das Zusammenspiel des Sounddesigners Gil Yaacov Nemet und die Einbeziehung von digitalen und traditionellen Klängen aus beduinischen Kulturen sowie der Verbindung mit John Adams Shaker Loops, verleihen der Choreografie eine einzigartige Dimension, die den Tod als ständige Präsenz in einem endlosen Zyklus von Geburt, Leben und Verfall begreift: eine tiefe Auseinandersetzung mit den ständigen Übergängen im Leben und der Vergänglichkeit. Choreographie: Eyal Dadon Licht: Holger Tschersich Dramaturgie: Lars Gunnar Anderstam, Thorsten Teubl
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Schamparadies
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
In einem Mietshaus am Kanal, außerhalb der Stadt, wohnen Mutter und Tochter. Die Mieten steigen und auch auf alle weiteren Krisen in ihrem Leben reagiert die Mutter handlungsunfähig und lethargisch. Da helfen auch die Vorwürfe und Bemühungen ihrer Tochter Vera nicht. Getrieben von (vererbten) traumatischen Erinnerungen überquert Vera den Kanal. Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist die Welt eine andere. Es riecht nach Körpern, es wuchert, es ist … Abseits. Hier sorgen zwei Furien, Tine und Mascha, dafür, dass die Scham einen festen Platz bekommt. Sie greifen gesellschaftliche Tabus an, schlagen, prügeln und bringen so die innersten Abgründe der Menschen zum Vorschein. Eine unheimliche und schöne Utopie. Käme es nicht zu diesem brutalen Zwischenfall in Garten Eden, als Matthias sich plötzlich einmischt. Sina Ahlers, Autorin des Erfolgsstücks Milch & Schuld (UA), erhielt für Schamparadies den Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2020. In diesem Text, der nun am Staatstheater Kassel zur Uraufführung kommt, mischt Sina Ahlers knallhart Realismus und Expressionismus, Bildhaftes mit ihrer eigenen Direktheit. Mal entlarvend humoristisch, mal schmerzhaft radikal, befragt sie Status und Körper. In einer ganz eigenen Formsprache legt sie den schmalen Grat zwischen Intimität und sexuellem Missbrauch offen und blickt so der Scham und ihren Ursprüngen ganz schamlos ins Gesicht In der Regie von Olivia Müller-Elmau, Regisseurin auf der Suche nach den widersprüchlichen zwischenmenschlichen Beziehungen und Gefühlen, werden Trauma und Scham, die, teils über Generationen hinweg, fest in den Körpern sitzen und dort wuchern, sinnlich erfahrbar. In Kooperation mit Mädchenhaus Kassel 1992 e.V. Regie: Olivia Müller-Elmau Bühne und Kostüme: Julius Böhm Sounddesign: Jens Kilz Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Soufflage: Camilla Colonna
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Milch & Schuld
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Wir müssen über Mutterschaft und unbezahlte Care Arbeit von Frauen reden! Wie sieht die Arbeit des Körpers vor, während und nach der Geburt aus? Abgesehen von den biologischen Veränderungen und Rentenlücken, die entstehen, ist eine Schwangerschaft eine der größten Herausforderungen und auch Wunder, die der weibliche Körper leistet. Ist diese Art von Arbeit eigentlich monetär zu bezahlen? In der Uraufführung Milch & Schuld der Autorin Sina Ahlers, einem Auftragswerk des Schauspiels, geht es um Leihmutterschaft, eines der Tabuthemen unserer Gesellschaft. Zartie hat wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie stellt einem Paar, das biologisch keine Kinder bekommen kann, ihren Körper, ihren Geist und ihre Hormone zur Verfügung, um ein Kind für sie auszutragen. Und sie soll dafür bezahlt werden. Während der Pränataldiagnostik wird jedoch eine Entdeckung gemacht, die der „Kundin“ nicht zusagen wird, und die Zahlungs- bzw. Vertragspflicht aushebelt. Doch wer ist diese „Kundin“ überhaupt, die sich so sehnlich ein Kind wünscht? Auch sie fühlt sich ungenügend, fehlerhaft. Wie entscheidet sich Zartie, soll sie das Kind behalten? Ohne Mittel, allein, ohne Unterstützung? Wie gehen wir damit um, wenn ein Kind nicht der „Norm“ entspricht, als ungenügend betrachtet wird, wie eine Taube mit einem Bein? Sie kann stehen, fliegen, alles, aber mit eben „nur“ einem Bein. Sina Ahlers hinterfragt in ihrem Stück Existentielles. Gibt es sie, die „natürliche“, bedingungslose Mutterliebe, die Arbeit des weiblichen Körpers, den „Mutterinstinkt“ und wo stehen wir tatsächlich, wenn es um konservative Rollenbilder geht? Wo ist, sie, die vermeintlich „moralisch“ richtige Seite? Und welche Rolle spielt in dem Ganzen diese merkwürdige Bahnhofstaube? Regisseurin Sarah Franke hat mit den Troerinnen: 2nd Season bereits bewiesen, dass sie sich den großen feministischen Themen mit einer körperlich, sprachlichen und bildlichen Kraft hingibt. Sie schaut auf alle (Nicht-)Mütter, auf alle Normen, Tabus, Kämpfe und die Schönheit dazwischen. All das findet sie in Ahlers Text. Regie: Sarah Franke Choreographie: Gili Goverman Bühne und Kostüme: Ann-Christine Müller Musik: Sven Michelson Licht: Stefanie Dühr Dramaturgie: Patricia Nickel-Dönicke Altersempfehlung ab 16 Jahren
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| Musical
School of Rock
Staatstheater Kassel - INTERIM
Musik von Andrew Lloyd Webber Buch von Julian Fellowes Gesangstexte von Glenn Slater | Deutsch von Timothy Roller Basierend auf dem gleichnamigen Erfolgsfilm mit Jack Black folgt das mitreißende Rockmusical von Andrew Lloyd Webber dem gescheiterten Sänger Dewey Finn, der kurz vor einem Contest aus seiner Band geschmissen wurde. Um wenigstens die Miete bezahlen zu können, gibt Dewey sich als Aushilfslehrer aus und landet, ohne tatsächlich etwas von Mathe oder anderen Schulfächern zu verstehen, an einer Eliteschule. Wovon er aber eine Menge versteht, ist Musik! Als Hausaufgabe gibt er seinen Schüler:innen auf, Musik von Bands wie AC/DC, Led Zeppelin und Black Sabbath zu hören – die darauf, zum Ärger der Schulleiterin, zum Soundtrack des Schulalltags werden. Die zu Beginn noch skeptischen Jugendlichen lassen sich bald von Deweys Begeisterung für Rockmusik anstecken und brechen aus ihrer braven Erziehung aus. Um aber beim Battle of Bands als richtige Rockband bestehen zu können, müssen die Schüler:innen alles geben. Das Team um Regisseurin Marlene Pawlak, das zuletzt mit Emil und die Detektive das Kasseler Publikum begeisterte, setzt mit viel Humor Webbers Musical in die Raumbühne ANTIPOLIS. Die Kinder und Jugendlichen des CANTAMUS-Chores bevölkern als Schulgemeinschaft die Bühne und erkunden die transformative Kraft der Musik. Zur Einstimmung auf den Theaterbesuch gibt es für Zuschauer:innen und Lehrkräfte die Möglichkeit, sich ein Einführungsvideo mit Blick hinter die Kulissen, interaktiven Übungen und Informationen zur Stückentwicklung anzuschauen. Ab April 2025 unter School of Rock auf www.staatstheater-kassel.de oder auf Nachfrage an theaterpaedagogik@staatstheater-kassel.de Musikalische Leitung: Peter Schedding Regie: Marlene Pawlak Bühne: Wolf Gutjahr Kostüme: Anna Rudolph Licht: Holger Tschersich Dramaturgie: Teresa Martin CANTAMUS-Chor: Fiona Luisa, Peter Schedding Video-Regie: Victoria Koberstein Choreografie: Nele Neugebauer
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neue Veranstaltung
Staatstheater Kassel - INTERIM
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Masterclass zeitgenössischer Tanz
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Die israelischen Choreograf:innen Hila Nachshonov und Rotem Viner Tchaikovsky, deren Arbeiten im Nachwuchsprogramm 1|2|3 des renommierten Suzanne Dellal Centre während des Festivals präsentiert werden, geben eine gemeinsame Masterclass im zeitgenössischen Tanz. Der Workshop umfasst ein gemeinsames Aufwärmtraining sowie die Vermittlung von Bewegungsmaterial und choreografischem Repertoire aus ihren aktuellen Stücken. Die Teilnehmenden erhalten einen direkten Einblick in die künstlerische Praxis und Arbeitsweise der beiden Choreograf:innen. Die Masterclass findet in englischer Sprache statt. Für den Workshop wird eine Gebühr von 10 Euro erhoben. Bewerbung erforderlich unter: thorsten.teubl@staatstheater-kassel.de in Zusammenarbeit mit der AG Kassel der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und in Kooperation mit dem Suzanne Dellal Centre for Dance and Theatre (Tel Aviv) und der Stadt Kassel, mit Förderung von SparkassenVersicherung und Hübner-Gruppe
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| Tanz
1|2|3 - Plattform für neue Choreograf:innen
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Die „1|2|3-Plattform für aufstrebende Choreografen” des Suzanne Dellal Centre ist ein jährliches Choreografie-Entwicklungsprogramm für neue israelische Choreografen. Die Plattform dient als Inkubator für die nächste Generation israelischer Choreografen und fördert neue Stimmen, die die facettenreiche israelische Landschaft und Identität widerspiegeln. Sie begleitet die Teilnehmer auf ihrer künstlerischen Reise und bietet ihnen die notwendige Zeit und den Raum, um choreografische Techniken zu entwickeln, ihre künstlerische Stimme zu verfeinern und ihre kreativen Neigungen zu erkunden. Darüber hinaus bietet die Plattform pädagogische und berufliche Ressourcen. Die Teilnehmer nehmen an Meisterkursen teil und werden intensiv von internationalen und lokalen Choreografen sowie Künstlern aus verschiedenen Disziplinen wie Musik, Architektur, Kino und bildender Kunst betreut. Sie fördert die Zusammenarbeit und den Austausch und schafft ein unterstützendes Umfeld für das Lernen und die Entwicklung neuer Perspektiven innerhalb der lokalen Tanzszene. Die Plattform umfasst drei Stufen, die jeweils in einer öffentlichen Aufführung gipfeln, und den ausgewählten herausragenden Künstlern werden berufliche Möglichkeiten geboten. Zu den zahlreichen beruflichen Möglichkeiten gehören internationale Residenzprogramme, die Teilnahme an Austauschinitiativen, Möglichkeiten zur Gestaltung von Tanzschulen und jungen Kompanien, kostenloser Zugang zu professionellen Tanzkursen und vieles mehr. Das 1I2I3-Programm wurde mit Unterstützung des Lotterierats für Kultur ins Leben gerufen. im Rahmen von EMBODIED DISSENT
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| Schauspiel
Embodied_Images
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Zwei Stücke von Roni Chadash, Klil Ela Rotshtain und Michael Getman Roni Chadash: Victims & Images – Vol. 2 und Klil Ela Rotshtain: I could also be a black swan, verbinden zwei Perspektiven auf Körper und Identität. Während Victims & Images – Vol. 2 untersucht, wie Körperbilder, Wahrnehmung und stereotype Vorstellungen unsere Identität prägen, richtet Rotshtains Arbeit den Blick nach innen: auf die vielen Persönlichkeitsanteile, die in unseren inneren Gesprächen Gestalt annehmen und sichtbar werden wollen. Gemeinsam entsteht ein Raum, in dem äußere Images und innere Figuren aufeinandertreffen – und unser körperliches Sein neu erfahrbar machen. Victims & Images – Vol. 2: Choreografie: Roni Chadash | Dramaturgie: Yael Biegon-Citron | Musik: Noa Ayali | Tänzer:innen: Romi Lahav and Shira Ben Uriel I could also be a black swan: Choreografie, Sound und Tanz: Klil Ela Rotshtain Study for String von Michael Getman
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| Schauspiel
Triage
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Deutsch von Matthias Naumann Das Schauspiel legt erneut einen Fokus auf zeitgenössische israelische Dramatik und zeigt in einer deutschsprachigen Erstaufführung Triage, das neue Stück der israelischen Autorin Maya Arad Yasur. Sie ist dem deutschen Theaterpublikum bereits durch Werke wie Gott wartet an der Haltestelle und Amsterdam bekannt. In Triage widmet Arad Yasur sich nun dem komplexen Thema der medizinischen Prioritätensetzung unter den Bedingungen knapper Ressourcen in einem Katastrophenfall. Prof. Robinson, die Leiterin einer Intensivstation, steht vor der schwierigen Aufgabe, über die Verteilung lebenswichtiger Ressourcen, insbesondere Beatmungsgeräte, zu entscheiden. Dabei werden ihre eigenen professionellen Entscheidungen durch die persönlichen Krisen in ihrer Familie – dem Kampf ihres Mannes mit Parkinson, der ihre ganze Aufmerksamkeit und emotionale Kraft fordert – beeinträchtigt, was ihre Situation noch verzweifelter macht. Dr. Aydin ringt ebenfalls mit den Grundsätzen der medizinischen Ethik, während zugleich seine Frau ein Kind zur Welt bringt. Diese Figuren verdeutlichen die inneren Konflikte und moralischen Dilemmata, mit denen medizinisches Personal in Extremsituationen konfrontiert wird: Vor dem Hintergrund einer weitreichenden Brandkatastrophe und der daraus resultierende Überlastung der Krankenhäuser wird eine kaum zu ertragende Atmosphäre geschaffen, die Ärzte und Pflegekräfte zu schnellen, oft herzzerreißenden Entscheidungen über Leben und Tod zwingt. Triage beleuchtet die rohe Realität derjenigen, die mit den Schattenseiten ihrer Berufung konfrontiert werden, wo jede Entscheidung das Potenzial hat, sowohl zu retten als auch zu zerstören: Wer von zwei Brüdern soll das letzte Beatmungsgerät erhalten? Was tun, wenn man seinem eigenen Mann nicht helfen kann? Josua Rösing wird mit Triage seine zweite Inszenierung eines israelischen Textes machen. Bereits 2023 hatte Die Friedensstifterin von Avishai Milstein Premiere und ist seit dem zum Reclaim Kunstfreiheit Festival nach Berlin, zum Open The Doors Festival nach Kattowice und zu den Hessischen Theatertagen nach Gießen eingeladen worden. Regie: Josua Rösing Bühne und Kostüme: Michael Lindner Musik: Alexandra Holtsch Dramaturgie: Elias Lepper Video: Jens Bluhm
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| Tanz
SEASON 5: Let’s Talk About Blossom & Decay
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
„Tanz ist die Mathematik der Bewegung zur Musik.“ (Robozee) Mit Blossom & Decay widmet sich Robozee einem der grundlegendsten und doch tiefgründigsten Zyklen des Lebens – dem stetigen Wechsel von Wachstum und Verfall. Blossom & Decay zeigt den fragilen Kampf zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen Kontrolle und Hingabe. Es thematisiert die paradoxe Schönheit des Lebens, die sich im Angesicht von Zerstörung und Verfall immer wieder neu entfaltet, nur um erneut in den Abgrund zu stürzen. Robozee lässt in Blossom & Decay die pulsierenden Rhythmen des urbanen Tanzes auf das Spielzeitthema von TANZ_KASSEL stoßen, das japanische Konzept des Kaika (Ë“ü£). In einer Welt, die von Chaos, Zerstörung und sozialer Unruhe geprägt ist, wird der Moment der Blüte zu einem Symbol für die paradoxe Schönheit, die aus Dunkelheit und Vernichtung hervorgeht, um schließlich wieder in die Zerstörung zu führen. Der Sound von Randomhype, alias Christian Düchtel, in Blossom & Decay ist mehr als nur ein klanglicher Hintergrund: Er wird zum Nährboden, auf dem sich der Tanz entfaltet. Elektronische, urbane und pulsierende Klänge verstärken den Zyklus von Wachstum und Verfall und machen ihn erlebbar. Diese musikalische Basis beeinflusst den Tanz und wird gleichzeitig von ihm geprägt, ähnlich wie die Umwelt das individuelle und kollektive Leben beeinflusst. „Blossom & Decay lädt ein, die Vergänglichkeit des Lebens zu erkennen und zugleich den flüchtigen Moment von Schönheit und Aufblühen zu würdigen. Ich fordere das Publikum heraus, sich der Zerbrechlichkeit des Seins und der dualen Natur von Schönheit und Verfall bewusst zu werden. Dabei hinterfrage ich die Auswirkungen des Kapitalismus. Der Tanz wird so zu einer physischen Reflexion über das Werden und Vergehen im Kontext einer von kapitalistischen Interessen geprägten Welt.“ (Robozze) Christian Zacharas alias Robozee ist eine prägende Figur der Tanz- und Improvisationsszene. Er ist eine feste Größe in der deutschen Hip-Hop- und Popping-Szene und trägt maßgeblich zur Weiterentwicklung dieser Kunstform bei. Choreographie: Robozee Bühne und Kostüme: Nuphar Barkol Sounddesign: Randomhype Licht: Stefanie Dühr Video: Nuphar Barkol Dramaturgie: Lars Gunnar Anderstam, Thorsten Teubl
Aufführungen
| Performance
Grimms Märchenstunde für Erwachsene: