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Schauspielhaus

Das Staatstheater Kassel – Ein Theater mit Tradition

Das Staatstheater Kassel versteht sich mit seinen rund 500 festen Mitarbeitern als ein moderner Theaterbetrieb, der sich gleichermaßen der Tradition wie der Moderne verpflichtet fühlt. 30 Neuinszenierungen in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater, dazu die Sinfonie-, Sonntags-, Kammer-, Familien-, Schüler- und Sonderkonzerte bilden Jahr für Jahr das große Angebot. Darüber hinaus sorgt ein umfangreiches theater- und konzertpädagogisches Programm für die Vermittlung an Kinder und Jugendliche.

Kontakt

Schauspielhaus
Staatstheater Kassel
Friedrichsplatz 15
D-34117 Kassel

Telefon: +49 (0)561-10 94 - 0
E-Mail: info@staatstheater-kassel.de

Bewertungschronik

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Schauspiel

Leonce und Lena

Lustspiel von Georg Büchner

Premiere 23.3.2024

Leonce und Lena gelesen als Satire auf die dekadente Geld- und Machtelite trifft den Nerv unserer Zeit auf den Punkt. Eingerichtet in ihrer eitlen Erstarrung, erschreckenden Geistlosigkeit, wohltemperierten Langeweile und ausufernder Dekadenz lebt die Elite ausserhalb des Radars dahin. Georg Büchner beschreibt die Auswirkungen einer übersatten Gesellschaft auf den Gemütszustand ihrer Kinder: Depressionen allerorten. Mit seinem Lustspiel Leonce und Lena (uraufgeführt 1895 in München) beleuchtet er die luxuriöseste aller Welten.

Es ist die Welt der beiden rich Kids Leonce und Lena, die nun heiraten sollen: Geld vermählt sich mit Geld. Die beiden kennen sich aber überhaupt nicht und lebten bisher arglos in Saus und Braus, lediglich geplagt von einer unbändigen Langeweile und Melancholie. Doch nun soll sich ihr komfortables Luxusleben ändern? Leonce soll auch gleich sein Erbe antreten, um seinen erschöpften Vater Peter zu entlasten. Leonce nimmt mit seinem Freund Valerio Reißaus. Lena ergeht es nicht anders, auch sie will sich ihr Leben und Lieben nicht von den Eltern vorschreiben lassen und flieht gleichzeitig wie Leonce aus ihrer Komfortzone.

Und so kommt es wie es kommen muss: Die voreinander Fliehenden treffen sich zufällig und verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Ändert Liebe alles?

Die Hamburgerin Charlotte Sprenger, Jahrgang 1990, zählt zu den bemerkenswertesten Regisseurinnen ihrer Generation. An Büchners Lustspiel interessiert Sprenger vor allem die psychische Disposition der jungen Generation, die im Stück eingeschrieben wurde und die heute wieder erschreckend relevant ist.

Sie inszenierte u. a. am Thalia Theater in Hamburg und zuletzt am Nationaltheater Mannheim. Arbeiten von ihr wurden bereits zum Festival Radikal jung in München und zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen

Regie: Charlotte Sprenger
Bühne: Aleksandra Pavlović
Kostüme: Aleksandra Pavlović
Musik: Philipp Plessmann
Licht: Marie-Luise Fieker
Dramaturgie: Katja Prussas
Choreografie: Gili Goverman
Theaterpädagogik & Vermittlung: Sabine Koller, Elisabeth Müller

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Schauspiel

Zonenrandgebiet

deutsch-deutsche Grenzerfahrung von Alexander Eisenach

Bis zur Wende lagen Stadt und Landkreis Kassel im sogenannten Zonenrandgebiet – ein ca. 40 Kilometer breiter Streifen der Bundesrepublik Deutschland entlang der Grenze zur DDR. Abseits der wirtschaftlichen Hauptrouten gelegen, Richtung Osten eine Sackgasse, waren die Städte und Gemeinden von strukturellen Problemen betroffen.

In einem neuen Projekt des Regisseurs und Autors Alexander Eisenach macht sich das Staatstheater Kassel auf die Suche nach Geschichten zwischen Ost und West, zwischen Abbruch und Aufbruch, Verzweiflung und Hoffnung. Ausgehend von Kassel und seiner Lage im Zonenrandgebiet geht Alexander Eisenach auf die Suche nach Geschichte und Geschichten rund um das Thema deutsche Teilung und Wiedervereinigung in Biographien und Literatur – zwischen Fluchtgeschichten, dem Leben auf beiden Seiten der Mauer und dem Zusammenwachsen beider Staaten nach 1989.

„Wie schreibt sich Geschichte fort in die Gegenwart? Wie leben wir mit den Brüchen in der Landschaft und in den Biografien? Welche Utopien und Hoffnungen sind gestorben und welche leben fort? Das Zonenrandgebiet ist keine überwundene Geschichte. Es lebt fort in der Landschaft und den Erzählungen, die auf unserer Bühne zum Leben erwachen. Die Dämonen der Vergangenheit geben keine Ruhe und rütteln uns aus dem Schlaf einer selbstverliebten Gegenwart.“

Alexander Eisenach ist Autor und Regisseur. Seine Stücke zeichnen sich durch Verschränkungen verschiedener Zeit- und Erzählebenen aus und zeigen so immer die Gleichzeitigkeit scheinbar voneinander getrennter Thematiken auf. Er arbeitet u. a. am Schauspiel Frankfurt, Schauspielhaus Graz, Deutschen Theater Berlin, Berliner Ensemble und am Residenztheater München. In der Spielzeit 2022/23 entwickelte er am Staatstheater Kassel das Stück Anthropos Antigone (UA), in dem Eisenach die antike Geschichte um Antigone mit aktuellen Fragestellungen zum Klimawandel verband.

Regie: Alexander Eisenach
Bühne: Daniel Wollenzin
Kostüme: Lena Schmid
Musik: Sven Michelson
Licht: Oskar Bosman
Dramaturgie: Patricia Nickel-Dönicke, Elias Lepper
Video: Oliver Rossol
Theaterpädagogik und Vermittlung: Sabine Koller, Elisabeth Müller

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Schauspiel

Patient Zero 1

von Marcus Peter Tesch

Eine Altbauwohnung in einer Großstadt, irgendwo in Deutschland, irgendwann zwischen HIV- und Coronapandemie. Draußen: Winter, Schneeregen, Eisschneeregen. Es klingelt. Vor der Tür steht: Der Tod. Mal wieder. Na toll …Patient Zero 1 ist eine ebenso radikale wie humorvolle Kampfansage: gegen das Vergessen und Verdrängen der anderen, großen Pandemie des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts – der sogenannten AIDS-Pandemie –, gegen Stereotype und falsche Vorurteile, gegen die Vereinsamung und das Schweigen – und nicht zuletzt gegen den Tod selbst. Zugleich würdigt der Text all jene, deren Stimmen von einer angeblichen Mehrheitsgesellschaft nie gehört wurden, all jene, die bis heute stumm sind, aus Scham und Angst vor Stigmatisierung, der HIV-Positive nach wie vor ausgesetzt sind. Damit ist er auch die Dokumentation einer intimen Suche: Nach einer stillen Sprache der Solidarität und Liebe, nach andersartigen Formen von Gemeinschaft und Familie.

Regisseurin Sarah Kohm geht in ihrer Inszenierung auf die Suche: Könnte die individualisierende Erfahrung einer Krankheit zur Erfahrung von kollektiver Verbundenheit und Auslöser von queeren Care-Beziehungen werden? Welche Strukturen begründen die Stigmatisierung von (queeren) Sexualitäten?

Marcus Peter Teschs Texte wurden am Deutschen Theater Berlin, dem Theater Rampe Stuttgart und dem Berliner Ringtheater inszeniert. 2021 gewann er mit dem Text "Versuch, ein Stück über die Nibelungen (nicht) zu schreiben" den Preis der Nibelungenfestspiele in Worms. In seinen Texten beschäftigt er sich mit der Neuerzählung und Sichtbarmachung queerer Geschichte(n) und setzt sich mit Klassismus und dessen Erzählbarkeit auf der Bühne auseinander.

Regisseurin Sarah Kohm interessiert sich u. a. für queer-feministische Themen und Motive. Zuletzt inszenierte sie Erinnerung eines Mädchens von Annie Ernaux an der Schaubühne Berlin – diese Arbeit wurde in der Kritiker:innenumfrage von Theater heute als Highlight der Saison 2021/22 genannt.

Im aktuellen Jahrbuch der Fachzeitschrift „Theater heute“ schreibt Dramaturgin Katja Prussas in ihrem Beitrag über Marcus Peter Teschs Stück „Ein gewaltiges Fuck you an den Tod“. (www.der-theaterverlag.de/theater-heute/aktuelles-heft/)

Regie: Sarah Kohm
Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer
Co-Kostümbildnerin: Maria Walter
Musik: Leonardo Mockridge
Dramaturgie: Katja Prussas

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Kassel

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1 Schauspiel

König Alkohol

One-Man-Show nach dem Roman von Jack London
von Guse & Pfrunder

Was wäre das Leben ohne Rausch? Schon immer extrahierten Menschen aus Pflanzen Mittelchen und ließen Säfte gären, um durch Bewusstseinserweiterung nach Erkenntnis und Inspiration zu suchen oder schlicht die Realität hinter sich zu lassen. Und während heute harte Drogen illegalisiert sind, um den Menschen vor sich selbst zu schützen, ist Alkohol fester Bestandteil unseres Alltags und unserer Kultur.

Jack London hat König Alkohol in seiner gleichnamigen Erzählung von 1913 ein humorvolles und doch ehrliches Denkmal gesetzt: Seit seiner Kindheit kommt der Erzähler mit Alkohol in Berührung. Er begleitet ihn auf seinen Abenteuern als Austernräuber durch alle Spelunken und Hafenkneipen seiner Heimatstadt bis hin zum angesehenen Schriftsteller. Die sogenannte „gehobene Gesellschaft“, in die er es durch seinen sozialen Aufstieg geschafft hat, erträgt er nur mit seinem alten Verbündeten. Kein Entkommen. Nirgends.

Jack Londons Erzählung schafft nicht nur den nötigen Abstand, um gesellschaftliche und psychologische Aspekte des Alkohols zu beleuchten, sondern legt vor allem den eigenen Selbstbetrug bis zur Schmerzgrenze schamlos offen.

Nachdem Regisseurin Manon Pfrunder Super High Resolution (UA) am Staatstheater Kassel inszeniert hat, setzt sie sich nun mit dem existentiellen Dilemma in König Alkohol gemeinsam mit der Dramaturgin Daniela Guse auseinander. Als Theaterduo Guse&Pfrunder widmen sich beide regelmäßig scheinbar vergessenen und doch zeitlosen Stoffen, um diese auf die Bühne zu bringen.
Mit an Bord für diesen besonderen Monologabend ist Schauspieler Johann Jürgens, der dabei einmal mehr sein musikalisches Talent unter Beweis stellen wird. Denn ob Matrosenlied oder Shanty, Folk oder Rock’n’Roll – Musik ist stets treibende Kraft für den Griff zum Alkohol. Und am Ende steht wieder der Rausch, das Treibenlassen und die Suche nach Zugehörigkeit, Sehnsucht und Geborgenheit in den Wirren des Lebens.

Regie: Manon Pfrunder
Bühne und Kostüme: Karl Dietrich, Joel Winter
Musik: Johann Jürgens
Dramaturgie: Daniela Guse, Katja Prussas

Das Projekt wurde vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und vom Kulturamt Kassel gefördert.

Hinweis: Die Vorstellungen finden wechselnd im TiF - Theater im Fridericianum und im Dock 4 statt. Tickets für Do 25. Jan., Fr 26. Jan., So 28. Jan., sind über das Dock 4 erhältlich.

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Schauspiel

Prima Facie

Monolog von Suzie Miller
Deutsch von Anne Rabe

Eine Frau und ihre Geschichte. Eine weibliche Tour de Force. Ein emotionaler Parcours in Zeiten von #metoo und ein erschütternd intimer Einblick. Ahnungslosigkeit war gestern, denn, so erfassen es neueste Forschungsergebnisse, passiert Tessas Geschichte jeder dritten Frau. Als hervorragende Strafrechtsanwältin ist sie zielstrebig ihren Weg aus der working class gegangen und musste sich ihren Erfolg hart erarbeiten. Endlich glaubt sie, an der Spitze angekommen zu sein und auf der Welle des Erfolges zu schwimmen. Doch eine Vergewaltigung zwingt sie von jetzt auf gleich dazu, die Seiten zu wechseln. Sie wird Anwältin ihrer selbst und muss sich verteidigen – trotz aller Schmerzen, Wut und Angst. Sie erfährt auf brutale und unmenschliche Art und Weise die Grenzen von Gesetz und Moral. Prima Facie führt mitten hinein in den Graben zwischen persönlich erfahrenem Leid und Justiz.

„Das Verbrechen anzuzeigen, an allen Gerichtsterminen teilzunehmen, zur Anklage zu erscheinen, ins Kreuzverhör genommen zu werden und öffentlich in den Medien darüber zu schreiben, erfordert außerordentlichen Mut. Es ist auch kein kurzer Prozess und zeigt ironischerweise ein immenses Vertrauen, dass das System gerecht sein wird. Aber verdient das Rechtssystem dieses Vertrauen? Oder bringt es die Frauen weiter zum Schweigen? Wie kann sich die Gesellschaft weiterentwickeln, um diesen Bereich des Rechts zu reformieren?“, so fragt die australische Dramatikerin und Drehbuchautorin Suzie Miller in ihrem preisgekrönten Stück Prima Facie. Nach der Uraufführung 2019 in Sydney erhielt sie dafür zahlreiche
internationale Auszeichnungen und wurde 2020 u. a. mit dem Australian Writers Guild Award for Drama geehrt.

Regisseur Tim Wittkop, dessen Projekte v. a. im städtischen Raum verortet sind, wird diesen Monolog inszenieren und die Geschichte von Tessa in dieser spartenübergreifenden Produktion gemeinsam mit Schauspielerin Lisa Natalie Arnold und Tänzerin Anna Gorokhova erforschen.

Regie: Tim Wittkop
Bühne: Kuan-Jung Lai
Kostüme: Kuan-Jung Lai, Lisa Natalie Arnold, Anna Gorokhova
Komposition: Paulo Gallo
Dramaturgie: Katja Prussas
Choreografie: Anna Gorokhova

Eine Kooperation von Schauspiel, TANZ_KASSEL und asta uni kassel

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Schauspiel

Die Friedensstifterin

von Avishai Milstein

Die Husumerin Alice, genannt Ali, ist gemeinsam mit ihrem Streicherensemble auf Einladung eines deutschen Kulturinstituts auf Gastspielreise in Gaza, am nächsten Tag soll ihr großes Konzert sein. Ali ist überzeugt, dass Kunst und Kultur Menschen zusammenbringen und Konflikte befrieden können. Doch als der israelisch-palästinensische Konflikt plötzlich hautnah erlebbar wird und Luftangriffe auf Gaza geflogen werden, flieht das Ensemble Hals über Kopf nach Deutschland – und lässt Ali zurück.

Statt zu verzweifeln, versucht es Ali auf eigene Faust: Sie will spielen, für den Frieden, für die Menschen. Dafür unternimmt sie alles: Sie trifft auf einen jungen palästinensischen Mann, den Assistenten eines palästinensischen Kulturinstituts mit Hang zum Philosophen Johann Gottlieb Fichte, einen jungen israelischen Soldaten, eine Krankenschwester, die ihre eigene Schwester im Krieg verloren hat, einen israelischen Ehrenpräsidenten. Und schließlich gerät sie dabei zwischen die Fronten: Was ist falsch, was richtig in diesem Konflikt, der in jede Biografie eingeschrieben ist und in dem alle glauben, das Recht auf ihrer Seite zu haben? Und so ist Ali plötzlich mittendrin im Nahostkonflikt, bei dem sie doch vorab so sicher war, dass er durch ihr Cellospiel befriedet werden könnte.

Avishai Milstein, israelischer Autor, Regisseur und Dramaturg am Beit-Lessin-Theaters in Tel Aviv, stellt in Die Friedensstifterin die Frage, welche Kraft Kunst und Kultur haben können: Was passiert, wenn ein zentraleuropäisches Verständnis davon auf die Realität vor Ort trifft? Wie positionieren wir uns angesichts historischer, biografischer und politischer Konfliktlinien?

Josua Rösing studierte Regie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und war anschließend Regieassistent am Deutschen Theater Berlin. Er inszeniert u. a. am Theater Kiel, Theater Regensburg, dem Staatsschauspiel Dresden sowie in Moskau und St. Petersburg.

Songs Oh oh oh, Israel sowie Römer und Wutbürger
Musik & Text: Johann Jürgens, Thies Mynther

Wir bedanken uns beim Institut für Neue Soziale Plastik e.V. für die Beratung im Probenprozess. Darüber hinaus freuen wir uns sehr über die Einladung zu „Reclaim Kunstfreiheit. Antisemitismuskritik, Kunst & Kultur“ in dessen Rahmen wir am 16.10.23 mit der „Friedensstifterin” im PODEWIL Berlin zu Gast waren:

Regie: Josua Rösing
Bühne: Michael Lindner
Kostüme: Michael Lindner
Musik: Thies Mynther
Dramaturgie: Patricia Nickel-Dönicke, Elias Lepper
Dramaturgie: Dirk Baumann

In Kooperation mit dem Generalkonsulat des Staates Israel und dem Beit Lessin Theater Tel Aviv

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Schauspiel

Ministerium der Träume

Uraufführung nach dem Roman von Hengameh Yaghoobifarah
in einer Fassung von Laura N. Junghanns

Nasrin ist Türsteherin in einer queeren Bar. Sie ist angekommen im Großstadtleben, in dem sie sein kann, wer sie ist: die „migrantische Lesbe“ Nas. Doch als die Polizei vor der Tür steht und sie über den plötzlichen Tod ihrer Schwester Nushin informiert, bricht eine Welt zusammen. Sie ist sicher: Suizid, kein Autounfall, wie die Polizei sagt. Nas zieht bei ihrer pubertierenden Nichte Parvin ein und begibt sich auf eine Reise in die gemeinsame Vergangenheit mit ihrer Schwester: Die Ankunft aus Teheran in der deutschen Provinz, einer feindseligen Umgebung zu Zeiten rechtsextremer Anschläge in Hoyerswerda, Rostock, Mölln… Die apathische Mutter, die vergeblich auf den Nachzug des Vaters wartet. Das harte, gemeinsame Leben in der Großstadt, die zugleich das Befreiungsversprechen in sich trägt. Die ungeplante Geburt der Nichte. Doch irgendetwas hat Nushin ihr verheimlicht, irgendetwas stimmt nicht mit den angeblichen Todesumständen und auch nicht mit dem Land, in dem sie lebt, in dem die „Annikas“ – deutsche, bürgerliche Mütter – Ausgrenzungsmechanismen reproduzieren und die Polizei ihre Ermittlungen einstellt. Zwischen Alltag, dem Dasein als Tante einer Heranwachsenden und all den Hindernissen, die ihr als iranischstämmiger, queerer Person in Deutschland begegnen, gerät Nas in einen mitreißenden Strudel aus Wut, Trauer und Aufklärungswillen …

Hengameh Yaghoobifarah deckt in Texten und Kolumnen, u. a. in der taz, die blinden Flecken der Mehrheitsgesellschaft schonungslos auf. Mit dem von Kritik und Presse hochgelobten Romandebüt Ministerium der Träume (UA) gewährt Yaghoobifarah einen Blick in die Innenwelt migrantischen Lebens sowie in Klassen-, Identitäts-, Zuschreibungs- und Herkunftskonflikte – und legt dabei nicht nur die deutsche Doppelmoral offen, sondern auch das verdrängte Unbewusste, das nicht nur aus Polizeichats immer wieder hervorquillt.

„Ministerium der Träume öffnet eine Welt, von der man zu wenig Ahnung hat, die aber vor unseren Haustüren liegt.“ SWR 2

Regie: Laura N. Junghanns
Bühne und Kostüme: Jule Saworski
Dramaturgie: Dirk Baumann, Katja Prussas
Ttheaterpädagogische Vermittlung: Sabine Koller, Elisabeth Müller

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Tanz

Dornröschen | Sleeping Beauty

Dawn and Day (WA) von Sita Ostheimer (UA 2023)

Im Rahmen der über drei Spielzeiten angelegten Tschaikowsky-Trilogie Schwanensee – Dornröschen – Der Nussknacker zeigt TANZ_KASSEL vor der Wiederaufnahme und den Folgevorstellungen von Sita Ostheimers Dawn and Day jeweils eine von sieben neu entstandenen tänzerischen Interventionen zu ausgewählten Nummern der Originalorchesterpartitur von Peter Iljitsch Tschaikowskys Klassiker Schwanensee:

Donnerstag, 11. Januar 2024
(s)wander
Konzept & Improvisation: Hamilton Blomquist, René Fiorella, Minjung Kang
Violine: Akane Urashima
Violoncello: Greta Sophie Lantschner
Harfe: Alice Vecchio

Dornröschen? Die Fabel des weltberühmten Märchens ist bekannt: eine schöne Prinzessin, eine böse Fee, ein Stich an der Spindel, ein hundertjähriger Schlaf, ein Kuss des Prinzen, ein Happy End. Doch liest man das Märchen La Belle Au Bois Dormant des französischen Schriftstellers Charles Perrault, das Peter I. Tschaikowsky seiner Ballettkomposition zugrunde legte, weiter, dann stößt man auf Familienkrise, brutale Intrigen und kannibalistische Absichten von Dornröschens Schwiegermutter, die selbst vor einem Mord an ihren beiden Enkelkindern Prinzessin Morgenrot und Prinz Tag nicht zurückschreckt.

„Das Visuelle, die Dynamik und die Energien sich bewegender Körper lassen Tänzer:innen und Zuschauer:innen ein unbekanntes Reich unserer Existenz entdecken und erleben – die unsichtbare Motivation hinter allen sich bewegenden Kräften. Ich möchte das Publikum mitnehmen, emotional mitreißen. Ich möchte diesen Zustand aufrichtiger innerer Entschlossenheit berühren, der es uns ermöglicht, Berge zu versetzen.“
Sita Ostheimer

Sita Ostheimer arbeitet als freischaffende Choreografin, inspiriert von den Bewegungsansätzen bekannter Choreograf:innen wie Hofesh Shechter, Itzik Galili, Krisztina de Châtel und Alexandra Waierstall, mit denen sie in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat. Sie kreierte für Companies wie Frontier Danceland Singapore, das Hessische Staatsballett, Bodhi Project SEAD Salzburg, CobosMika Spanien und Verve Leeds. Seit 2017 ist sie Künstlerische Leiterin der Sita Ostheimer Company Berlin.

In Dawn and Day, ihrer Auseinandersetzung mit dem Märchenklassiker, geht sie weit über die Dualität von Gut und Böse hinaus und beschäftigt sich vor allem mit all den Farben, Wendungen und Schattierungen, die dazwischen liegen.

In der Spielzeit 2023/24 nimmt TANZ_KASSEL diese Erfolgsproduktion wieder ins Programm und bietet damit dem Publikum die Möglichkeit, neben Der Nussknacker in der Raumbühne ANTIPOLIS auch im Schauspielhaus einen weiteren Teil der über drei Spielzeiten angelegten Tschaikowsky-Trilogie zu sehen.

Choreografie und Inszenierung: Sita Ostheimer
Bühne: Sibylle Pfeiffer
Kostüme: Irina Bartels
Lightdesign: Barnaby Booth
Sounddesign: Adrien Casalis
Choreografisches Coaching: Tillmann Becker
Dramaturgie: Silke Meier-Brösicke, Thorsten Teubl
Beleuchtungsmeister: Oskar Bosman

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1 Schauspiel

Singletreff

Eine Komödie von Dirk Laucke

Lovin ist ein Dorf (fast) ohne Frauen. Irgendwo im Nirgendwo. Ein dünn besiedelter Flecken auf dem Erdenrund, die Welt scheint auf den ersten
Blick in Ordnung und die größte Sorge am Abend nach getaner Arbeit ist „Hast du Empfang?“ Andy, der wegen Besitzes von Cannabis Sozialstunden im Dorf ableisten muss, bekommt von der Bank keinen Kredit um den Lohnausfall seiner Ausgaben zu begleichen, da er nicht verheiratet oder verpartnert ist. Lebensschlau wie er ist, hat er die geniale Idee eine Flirtparty im Dorf zu veranstalten, um an Geld zu kommen. Das ganze Dorf ist im Ausnahmezustand und im wahrsten Sinne des Wortes Feuer und Flamme. So viel Trubel und Heiterkeit war lange nicht zu spüren und da Lovin
zu 99 % aus Männern besteht, greifen sie sich gegenseitig unter die Arme, vor allem wenn es um Fragen von Fashion und Flirtsprech geht. Die
sonst eher bequeme und gechillte Gesellschaft kommt in Schwung und es wächst die Vorfreude auf dieses besondere Event im örtlichen Jahreskalender. Gut also, dass man die alten Bierbänke nicht verschrottet hat …

Paule (die einzige Frau im Dorf), Wolf und Mario – kurz Familie Bunk – versucht sogar die härtesten Tanzmuffel für ihren Lieblingssport
Line-Dance zu begeistern. Heiß diskutiert wird nicht nur über Schrittkombinationen sondern vor allem über Musik: Der Staub wird von alten
Platten- und CD-Kisten gepustet, Kuschelrock-Medleys werden erinnert und Geschmacksnerven belastet. Aber über allem stehen elementare
Fragen: Wann quatsche ich eine begehrte Person und vor allem wie an? Was soll man eigentlich wirklich tun bei ausgefallenen Geschmäckern?
Und wie verhält es sich nun eigentlich wirklich mit den Geschlechtern beim abendlichen Flirten? Und wo liegt eigentlich Rammeln?
Ganz Lovin scheint in love mit der Idee des Singletreffs. Kann das gut gehen? Und dann erscheint sie wirklich – die Frau.

Autor Dirk Laucke und Regisseur Lars-Ole Walburg nähern sich in ihrer nun bereits zweiten gemeinsamen Auftragsarbeit für das Schauspiel am Staatstheater Kassel, nach der Uraufführung von Auf Wache in der Spielzeit 2020/21, nicht nur den profanen Liebesdingen einsamer Herzen. Vielmehr stellen sie mit dieser schwarzhumorigen Komödie die Frage, wie wir in der heutigen Gesellschaft überhaupt miteinander umgehen wollen und ob wir fähig sind eine Sprache zum Austausch zu finden, die vor allem alle Seiten verstehen und die den angestrebten Minderheitenschutz berücksichtigt.

Regie: Lars-Ole Walburg
Bühne: Andreas A. Strasser
Kostüme: Maria Walter
Musik: Martin Engelbach
Licht: Brigitta Hüttmann
Dramaturgie: Katja Prussas

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1 Schauspiel

Etwas besseres als den Tod finden wir überall

Ein Singspiel von Martin Heckmanns

„Wer singt, der ist nicht tot.“ Das sagt sich auch Esel Grau, dem die Welt ausgestorben und leer erscheint. Doch er will sich nicht unterkriegen lassen und erhebt seine Stimme.

Hund Schlau stimmt ein, denn den Wohl- und Stillstand seiner Herren zu bewachen ist ihm nicht weiter möglich, seit sich sein Leben überraschend ins Transzendente geöffnet hat. Knapp der Suppenschlachtung entflogen, setzt sich Huhn Kommun gegen Massentierhaltung und für eine Solidarität der Arten ein. An der Küste ziehen die diskussionsfreudigen Tiere eine von Schulefühlen geplagte schwangere Katze aus dem Meer. Sie fragt ihre Retter erstaunt: Warum singt ihr, wenn ihr doch die Zustände ändern wollt? Die Ausgebeuteten schließen sich zusammen, wagen den Aufstand und entsagen ganz nebenbei der Kunst. Denn wir finden uns im Theater wieder: Müller und Müllerin reflektieren als Publikum die dargebotenen Szenen und relativieren ihre Rolle in dem tragischen Geschehen. Hinter der Bühne und unter den Masken blitzen menschliche Erfahrungen von Überforderung und Ratlosigkeit auf.

Als ausgelassene Umsturzphantasie, in der Parabel vom Realismus befreit, feiert Dramatiker Martin Heckmanns den Übermut, die Widersprüche und die Auseinandersetzung in einer angstgeprägten und krisengebeutelten Zeit.

Friederike Heller (Arbeiten u. a. bei den Salzburger Festspielen, Wiener Burgtheater, Schauspielhaus Hamburg, Residenztheater München, Staatsschauspiel Dresden und ab 2022 Professorin für Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) inszeniert das neue Stück des renommierten Dramatikers Martin Heckmanns, dessen Stücke in den letzten Jahren in Zürich, Wien, Dresden, Berlin, Stuttgart uraufgeführt wurden. Gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildnerin Sabine Kohlstedt und Musikerin Masha Qrella, die eigens für dieses Singspiel neue Musik komponieren und live spielen wird, begibt sich Heller mit Humor und Abgründigkeit auf eine ereignishafte Reise

Regie: Friederike Heller
Bühne und Kostüme: Sabine Kohlstedt
Komposition und Live-Musik: Masha Qrella
Licht: Brigitta Hüttmann
Dramaturgie: Katja Prussas

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Schauspiel

Gelbes Gold

von Fabienne Dür

Wie gelingt die perfekte Pommes-Zubereitung? Um diese zentrale Frage dreht sich alles im Leben von Fritz. Doch die Rückkehr seiner Tochter Ana bringt sein Leben in der Pommesbude ganz schön aus der Balance. Ana kehrt kurz vor ihrem Studienabschluss in der Großstadt wieder zurück in ihre Heimat. Dieser Ort in städtischer Randlage ist für sie eine Art Zwischenreich, das sich durch Stille und Weite, aber vor allem durch kleinbürgerliche Enge auszeichnet. Hier betreibt Anas Vater Fritz inmitten einer Plattenbausiedlung mit Hingabe und Leidenschaft eine mehr schlecht als recht gehende Pommesbude. Fritz’ Lebensgefährtin Mimi, Aushilfe im Imbiss, zeigt für diese verzweifelte Goldsuche jedoch nur wenig Verständnis, hat sie sich doch ein anderes Leben erhofft. Ähnliches gilt für Juli, Anas alte Freundin, die nie rausgekommen ist und in der örtlichen Kita arbeitet. Über der gesamten Szenerie schwebt neben dem Fettgeruch vor allem eine existenzielle Bedrohung durch ein geplantes Outlet-Center und riesige Abrisskräne. Irgendwo im Nirgendwo.

Empathie, Schrulligkeit und trotzige Tragik zeichnen Fabienne Dürs Figuren aus. Mit ihrem neuesten Stück Gelbes Gold erzählt sie mit wunderbarer Melancholie und leiser Komik von kleinbürgerlicher Herkunft, vom Scheitern und von geplatzten Lebensentwürfen – lebensnah und einfühlsam.

Fabienne Dür wurde 1993 in Berlin geboren und studierte Theaterwissenschaft und Deutsche Philologie an der Freien Universität Berlin sowie Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Sie war 2019 Leonard-Frank-Stipendiatin des Mainfranken Theaters Würzburg und erhielt 2021 mit Gelbes Gold eine Nominierung zum Heidelberger Stückemarkt.

Tobias Schilling gründete 2016 nach Auslandsaufenthalten und Studium in Wien das freie Theaterensemble distrACT. Er inszenierte zahlreiche Projekte, bevor er 2021 als Regieassistent nach Kassel kam. Nach einigen Folgen Tausend deutsche Diskotheken in der letzten Spielzeit führt er nun Regie bei der Uraufführung Gelbes Gold.

Regie: Tobias Schilling
Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer
Dramaturgie: Katja Prussas

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Schauspiel

Faust Gretchen

Eine theatrale Videoinstallation von Bert Zander - gemeinsam mit Kasseler Bürger:innen nach Johann Wolfgang von Goethe

„Meine Ruh ist hin“ – einer der Sätze, die bleiben, wenn man sich den Zitatenschatz aus Goethes Faust vergegenwärtigt. Ein Zitat, das das Dilemma Margaretes, genannt Gretchen, widerspiegelt. Der wohlsituierte Gelehrte Dr. Heinrich Faust hingegen ist in der Sinnkrise, verjüngt durch den Bund mit Mephisto drängt es ihn immer weiter zu weltbewegenden Abenteuern und ganz nebenbei zieht ihn das „Ewig Weibliche“ an. Heinrich ist hin- und hergerissen und sucht den Lärm der Welt. Und Gretchen?

Goethe hat den realen Fall der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt (1771) in Frankfurt verfolgt, parallel entstand sein Urfaust, der die althergebrachte Faust-Geschichte nunmehr um die Gretchentragödie ergänzt. Angesiedelt zwischen sozialer Situation und tragischer Liebesgeschichte erzählt sie das reale, fatale und ausweglose Schicksal einer jungen Frau jener Zeit. Nicht nur Faust und sein Begehren, sondern die gewaltigen Umstände der Zeit bringen Gretchen zu Fall. Frauen wie Gretchen waren meist unausgebildet, unwissend, abhängig und bedroht von Armut und Elend.


Welche Spuren hinterlässt Fausts Vorwärtsdrängen im Leben Gretchens, die in bürgerlichen, aber doch ärmlichen Verhältnissen lebt? Welche Chance hatte sie im Leben und wäre ein sozialer Aufstieg überhaupt möglich gewesen? Eine junge Frau zwischen Begehren, Selbstbehauptung und sozialem Zwang auf der einen Seite und Bürger:innen auf der anderen Seite, die Gretchens Geschichte zu kennen glauben und sie aus ihrer Perspektive nacherzählen. Für Ihre Rolle als Gretchen war Emilia Reichenbach 2022 für den Gustav Rühle Preis nominiert.

„Es ist Zeit, dass wir uns auf den Weg machen Gretchen 2021 ihre Würde zurückzugeben“, so Bert Zander, Regisseur und Videokünstler. Seine bisherigen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Videokunst und Theater waren u. a. an der Volksbühne Berlin, am Thalia Theater Hamburg und am Burgtheater Wien zu sehen. 2020 realisierte er für 3sat / ZDF Camus’ Die Pest als theatrale Miniserie.

Eine Kooperation mit der Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e. V.

Regie: Bert Zander
Bühne & Kostüme: Lene Schwind
Schnitt: Fabián Barba Hallal
Dramaturgie: Katja Prussas
Mitarbeit Regie: Natascha Zander
Regieassistenz: Lina Gasenzer
Theaterpädagogische Vermittlung: Sabine Koller, Elisabeth Müller

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Schauspiel

Die Troerinnen: 2nd Season

frei nach Euripides von Sarah Franke

Der Krieg ist gerade zu Ende. Troja ist endgültig von den Griechen eingenommen und die Stadt liegt in Trümmern. Der König Priamos und seine Söhne sind gefallen. Übrig bleiben die Troerinnen, die auf ihre Verlosung warten: Hekabe, einst Königin, sieht jetzt in eine schreckliche Zukunft, vor allem für ihre Töchter. Kassandra, die unerhörte Seherin, deren Rachegedanken immer lauter werden. Andromache, die Witwe Hektors und Schwiegertochter Hekabes, bleibt mit ihrem Sohn Astyanax zurück. Um jeglichen Machtanspruch auszuschließen, soll er als letzter männlicher Nachfahre Trojas umgebracht werden. Der Mord an dem Kind ist die grausame Zuspitzung aller Gewalt. Auch Helena ist Teil der wartenden Frauen, sie ist als Auslöserin des Krieges gebrandmarkt, da der trojanischen Königssohn Paris sie dem griechischen Thronfolger Menelaos entführt hat. Frauen, die sich ein Leben aufgebaut haben, die Mütter, Ehefrauen und Schwestern waren, müssen ihre Heimat ins Ungewisse verlassen.

Jetzt ist es 2023, damit fast 2500 Jahre nach den Troerinnen von Euripides. Qualen und Klagen klingen bis heute durch die Zeit. Nachrichtenbilder zeigen, was die Troerinnen zur Ausgangssituation hatten: Kriege, Landeinnahmen und die Einnahme des weiblichen Körpers. Die Berichte ähneln sich durch Zeiten und Orte hinweg. Schreckliche Einzelschicksale kommen immer wieder auf denselben Nenner: Landkolonialisierung läuft parallel zur Einnahme weiblicher Körper. Nach Jahrtausenden bleibt Vergewaltigung als Kriegswaffe bestehen. Während sich die Welt verändert und Kriege sich verändern, besteht weiter diese Form der absoluten Erniedrigung, der Macht- und Stärkedemonstration.

Die Troerinnen: 2nd Season (UA) sucht nach einer neuen Erzählung und sucht dabei nicht nur in der Antike. Mythos Mutter, Mythos Rachegöttin, die Ominöse, die Kernige, die Anämische. Es gibt Stereotype, die immer und immer wieder erzählt werden. Frauen und ihre Kämpfe werden üblicherweise ausschließlich aus der Opferperspektive erzählt – wir wollen den Versuch wagen, es multiperspektivisch zu betrachten. Alles steht ihnen offen und von dort aus fangen wir von vorne an.

Sarah Franke ist Schauspielerin und Sprecherin. Sie spielt, konzipiert und inszeniert außerdem eigene Projekte. Die Themen Mythos, Frauenkörper und ihre Kämpfe von der Antike bis heute beschäftigen sie dabei seit einiger Zeit immer wieder in ihrer Arbeit.

Regie: Sarah Franke
Bühne und Kostüme: Ann-Christine Müller
Dramaturgie: Laura Kohlmaier

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Schauspiel

Krieg und Frieden

nach dem Roman von Lew Nikolajewitsch Tolstoi
in einer Bearbeitung von Bert Zander

Tolstoi hat mit Krieg und Frieden einen monumentalen Klassiker der Romanliteratur geschaffen. Er porträtiert eine Zeit des europäischen Imperialismus, die uns vertrauter vorkommt als erhofft. Auf mehr als 2000 Seiten schildert Tolstoi nicht nur in einzigartiger Weise historische Ereignisse, sondern stellt auch die These auf, dass Geschichte keine kausale Kette, sondern schicksalhaft ist: Wir sind als Einzelne Teil von ihr, Konflikte spiegeln und überlagern sich im Privaten wie im Politischen. Aber stehen wir den Ereignissen wirklich so distanziert und machtlos gegenüber?
Bert Zander nimmt sich Tolstois Gesellschaftsgemälde vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse der Napoleonischen Kriege gegen Russland vom Beginn des 19. Jahrhunderts vor – und untersucht, wie das Gestern mit dem Heute verbunden ist. Die Schicksale der Figuren sind mit dem Krieg eng verknüpft: ob als Soldaten und Armeeangehörige, in Offiziere verliebte und zurückgelassene Frauen, sorgende Mütter und Väter oder die Freiheit suchende Einzelgänger. Denn anders als der Titel vielleicht vermuten lässt, stehen nicht Kriegshelden im Zentrum des Romans, sondern einfache Menschen: Die politische Macht mag bei den Helden liegen, die soziale Macht ruht auf den Schultern der vielen Einzelnen.

Mit seiner einzigartigen Ästhetik, die das Kasseler Publikum bereits bei FAUSTGretchen erleben konnte, lässt Bert Zander eine hybride Welt aus Video und Schauspiel entstehen, in der sich Figuren, Weltgeschehen und der Chor der Ungehörten verbinden. Zwischen unserem dokumentarischen Blick auf Historie und Gegenwart lässt Zander die Frage aufscheinen, wo angesichts multipler Krisen Krieg und Frieden heute begründet liegen.

Bert Zander ist Regisseur und Videokünstler. Seine Arbeiten an der Schnittstelle von Theater und Videokunst waren bislang u. a.
an der Volksbühne Berlin, dem Thalia Theater Hamburg und am Burgtheater Wien zu sehen. Seine Oberhausener Inszenierung von Schuld und Sühne wurde 2019 zum NRW Theatertreffen eingeladen, 2020 realisierte er für 3sat/ZDF die Theaterserie Die Pest. FAUSTGretchen ist von ihm nach wie vor im TiF – Theater im Fridericianum zu sehen.

Regie: Bert Zander
Bühne und Kostüme: Lene Schwind
Musik: Natascha Zander
Dramaturgie: Laura Kohlmaier

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Schauspiel

Die Hebamme

Komödie von Rolf Hochhuth

in einer Bearbeitung von Tom Kühnel

Vetternwirtschaft und soziale Benachteiligung in einer nordhessischen Stadt spielen in Rolf Hochhuths Komödie von 1971 die Hauptrollen. Den Stoff für seine Satire lieferte damals ein kommunaler Skandal in Kassel. Es ging um das „Lettenlager“ in Bettenhausen, in dem die Bewohner:innen unter menschenunwürdigen Bedingungen hausten, so dass selbst in Kanada Spenden gesammelt wurden. Die Uraufführung des Stücks u. a. in Kassel sorgte dann tatsächlich für die Beseitigung eben dieses Missstandes.

Wohnungsnot und Inflation, Flucht und Vertreibung, Krieg und Nachkriegszeit, all das sind wieder aktuelle Themen geworden. Rolf Hochhuth, geboren 1931 in Eschwege, galt als Mitbegründer des Dokumentartheaters. Als rigoroser Moralist und Mahner setzte sich Hochhuth wiederholt mit der Zeit des Nationalsozialismus und aktuellen politischen und sozialen Fragen auseinander.

51 Jahre nach der Uraufführung zeigen wir Hochhuths Heldin Sophie, Hebamme und als Parteimitglied der CDU, Vorsitzende des Sozialausschusses, und ihren unbeirrbaren Kampf gegen die Ungerechtigkeit. Sie hat sich geschworen, bis zu ihrer Pensionierung die Barackensiedlung in ihrer Stadt zu beseitigen. Sie spürt die Ohnmacht, zu der jede:r in einem Panoptikum kommunaler Demokratie verdammt ist, und entschließt sich zur Illegalität. Die Papiere einer längst Verstorbenen sind Sophie dabei äußerst hilfreich …

„Die Diplom-Hebamme Sophie ... muß sich vor Gericht verantworten – welche Szene in ihrer umwerfenden Komik lebhaft an Kleists Der Zerbrochne Krug oder Zuckmayers Der Hauptmann von Köpenick erinnert.“ (Gerhard Ebert in Neues Deutschland zur Uraufführung 1972)

Tom Kühnel inszeniert u. a. am Deutschen Theater Berlin und dem Staatsschauspiel Dresden. Zusammen mit der Münchener Musikerin und Performance-Künstlerin Pollyester und unterschiedlichsten Vereinen der Stadt wird Kassel ordentlich was zu lachen haben, denn das Leben ist doch eine riesengroße Show!

In Kooperation mit den Tänzerinnen und Tänzern des Rot-Weiss-Klub Kassel e.V., dem Kinderchor des Wilhelmsgymnasiums Kassel, dem Stadtarchiv Kassel, sowie dem Landesverband der Hessischen Hebammen e.V. Landessprecherinnen Nordhessen, dem Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. und der Kleine Riesen Nordhessen gGmbH.

Regie: Tom Kühnel
Bühne: Bettina Meyer
Kostüme: Ulrike Gutbrod
Musik: Polly POLLYESTER
Dramaturgie: Patricia Nickel-Dönicke, Daniel Neumann
Licht: Oskar Bosman, Brigitta Hüttmann

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Schauspiel

1984

von George Orwell

Gastspiel der American Drama Group in englischer Sprache

1984 may well be the most significant work of modern fiction. The company brings this work to the stage without seeking to simplify its message or dilute its power. The brilliance of 1984 is not only that it predicts a surveillance society in which we now exist, or that it exposes the lies behind every totalitarian ideology or belief, but that it explores these themes inside the human mind as well as in the outer world. “Thought Control” is the aim of the State in 1984, and this will be achieved by destroying language so that it is impossible to commit “Thought Crime”.

Is Orwell’s vision any different from the dumbing down of our communication through digital media, the collapse of writing and the triumph of the digital banal? Orwell predicts a world where Ideology vanishes under the crushing impact of brute power, power for its own corrupt sake. Meanwhile, as Orwell predicted, War becomes a continuous condition of life, one that justifies any and every form of repression in the name of nothing.

Against this pessimistic background stands the simple heroism and physical desire of the main chracters: Winston and Julia. Their journey through quiet rebellion to hope and despair happens in the outside world and within their minds. Our production follows their external and internal journey until they meet in the torture chambers of Room 101. Paul Stebbings directs a thriller and a love story, a mind game and an end game. Illuminated by a modern rock score from Christian Auer this production aims to tell what may be the greatest story of our time as we stumble towards an”Orwellian” future where Big Brother is watching YOU.

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Lesung

Ihr wisst doch gar nicht, was ihr denkt!

Lesung mit Katinka Buddenkotte

Katinka Buddenkotte ist eine der besten komischen Erzählerinnen des Landes. In ihrer neuen, fünften Geschichtensammlung geht sie sämtlichen Gefühlen der Verwirrtheit nach, die das moderne Leben für uns bereithält. Wo alle Welt ständig die »neue Normalität« ausruft, stellt sie sich die Frage: Fällt die eigentlich leichter, wenn man an der alten Normalität gar nicht erst teilgenommen hat? Schließlich ist Katinka Buddenkotte seit jeher bevorzugt im Surrealen zu Hause. So erzählt sie von Fallstricken bei der Vogelbeobachtung, wie man im Supermarkt günstig an eine neue Identität gelangt und warum man am besten mit englischen Dorfpolizisten schläft – und das stets liebevoll abgedreht, mit einer großen Dosis Selbstironie und immer nah an ihren Mitmenschen. Aber noch näher am Fischotter.
Katinka Buddenkotte wurde in Münster geboren, lebt und schreibt aber in und um Köln. Beides meist komisch. Dafür liest sie überall dort vor, wo sie gebraucht wird. In regelmäßigen Abständen geschieht das bei »Rock ’n’ Read«, der Lesebühne im Kölner Klüngelpütz-Theater. Ihr Kurzgeschichtendebüt »Ich hatte sie alle« (2018 wiederveröffentlicht im Satyr Verlag) hat sich bis heute weit über 40.000 Mal verkauft. Wenn sie gerade keine Romane verfasst (wie zuletzt »Eddie muss weg«, Satyr Verlag) oder mit ihrem Soloprogramm durch die Lande tourt, schreibt sie Satiren, unter anderem für »Die Wahrheit« in der taz und Titanic, ganze Theaterstücke oder halbe TV-Sendungen, zum Beispiel für die ARD.

In Kooperation mit der Caricatura Galerie

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30

Schauspielhaus

Staatstheater Kassel

Das Staatstheater Kassel – Ein Theater mit Tradition

Das Staatstheater Kassel versteht sich mit seinen rund 500 festen Mitarbeitern als ein moderner Theaterbetrieb, der sich gleichermaßen der Tradition wie der Moderne verpflichtet fühlt. 30 Neuinszenierungen in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater, dazu die Sinfonie-, Sonntags-, Kammer-, Familien-, Schüler- und Sonderkonzerte bilden Jahr für Jahr das große Angebot. Darüber hinaus sorgt ein umfangreiches theater- und konzertpädagogisches Programm für die Vermittlung an Kinder und Jugendliche.

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Bewertungen & Berichte Schauspielhaus

Aufführungen / Oper Staatstheater Kassel Opernhaus Kassel, Friedrichsplatz 15
Aufführungen / Theater Staatstheater Kassel Schauspielhaus Kassel, Friedrichsplatz 15
Aufführungen / Theater Hessisches Landestheater Marburg Marburg, Am Schwanhof 68-72
Aufführungen / Theater BAC Theater Bad Arolsen Bad Arolsen, Amselweg 50
Aufführungen / Theater tic - Theater im Centrum Kassel, Akazienweg 24
Aufführungen / Komödie Komödie Kassel Kassel, Friedrich‐Ebert‐Straße 39
Aufführungen / Kulturveranstaltung Kulturhaus Dock 4 Kassel, Untere Karlsstraße 4
Aufführungen / Kindertheater Junges Theater Göttingen Göttingen, Bürgerstraße 15

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