Aufführungen / Oper
Staatstheater Kassel Interim
Kassel, Ludwig-Mond Str. 35D
- Heute: Deutschland, Deutschland unter anderem
- Morgen: Deutsche Symphonie (Premiere)
- Zornfried
- The whole and its parts
- School of Rock
- Aida

- RAVE

- tHE bAD / Shuv

- Die Fledermaus
- Das Staatstheater Kassel versteht sich als ein moderner Theaterbetrieb, der sich gleichermaßen der Tradition wie der Moderne verpflichtet fühlt
Aufführungen / Theater
Staatstheater Kassel Schauspielhaus
Kassel, Friedrichsplatz 15
- Heute: Auf diese Steine können Sie... (Premiere)
- Morgen: Stück aus Holz

- Premiere: Revolution ist machbar, Herr Nachbar!
- 物の哀れ | Mono no aware | Das Wissen um das Ende ist bittersüß
- Alice
- TANZ_Mit!
- Ulysses
- Raststätte Jammertal
- Great Balls of Fire! - Die Jerry Lee Lewis Story
- Woman – Life – Freedom
- Robin Hood

- vor die hunde

- Faust Gretchen

- Welcome to the BATES MOTEL

- Schamparadies

- Neuinszenierungen in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Tanztheater, Kinder- und Jugendtheater
Aufführungen
| Tanz
Aufführungen
| Tanz
tHE bAD / Shuv
Staatstheater Kassel - INTERIM
Hofesh Shechter zählt zu den herausragendsten und gefragtesten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Tanzszene. Er ist bekannt für seine eindrucksvollen Choreografien in einer einzigartigen Bewegungssprache, geprägt von hoher Physikalität und Körperlichkeit, mit eigenen Musikkompositionen in epischer Sprengkraft. tHE bAD ist eine abstrakte Choreografie, die darauf abzielt, gängige Muster und Strukturen zu durchbrechen, Anarchie zu leben und zu zelebrieren, aber auch zu hinterfragen. Das Stück feiert die Freiheit und die reine Bewegung, erforscht Rhythmus und choreografische Struktur(en) und untersucht im soghaft-vibrierenden Sound-Mix die Verbindung zwischen Musik und Bewegung, die Verbindung zwischen Leben und Tod. Eyal Dadon untersucht in Shuv das zyklische Verhältnis von Leben und Tod. Der Titel Shuv, was im Hebräischen „wieder“ bedeutet, verweist auf das fortwährende Kommen und Gehen von Leben und Tod. Für Dadon ist der Tod nicht nur das Ende, sondern ein ständiger Begleiter des Lebens, der im Werk in den fließenden Übergängen zwischen musikalischen und tänzerischen Schichten sichtbar wird. Die Bewegungen der Tänzer:innen sind von einem ständigen „Wiederbeginnen“ geprägt, als ob der Tod immer nur der Vorbote eines neuen Anfangs ist. Das Zusammenspiel des Sounddesigners Gil Yaacov Nemet und die Einbeziehung von digitalen und traditionellen Klängen aus beduinischen Kulturen sowie der Verbindung mit John Adams Shaker Loops, verleihen der Choreografie eine einzigartige Dimension, die den Tod als ständige Präsenz in einem endlosen Zyklus von Geburt, Leben und Verfall begreift: eine tiefe Auseinandersetzung mit den ständigen Übergängen im Leben und der Vergänglichkeit. Choreographie: Eyal Dadon Licht: Holger Tschersich Dramaturgie: Lars Gunnar Anderstam, Thorsten Teubl
Aufführungen
| Schauspiel
Faust Gretchen
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Eine theatrale Videoinstallation von Bert Zander - gemeinsam mit Kasseler Bürger:innen „Meine Ruh ist hin“ – einer der Sätze, die bleiben, wenn man sich den Zitatenschatz aus Goethes Faust vergegenwärtigt. Ein Zitat, das das Dilemma Margaretes, genannt Gretchen, widerspiegelt. Der wohlsituierte Gelehrte Dr. Heinrich Faust hingegen ist in der Sinnkrise, verjüngt durch den Bund mit Mephisto drängt es ihn immer weiter zu weltbewegenden Abenteuern und ganz nebenbei zieht ihn das „Ewig Weibliche“ an. Heinrich ist hin- und hergerissen und sucht den Lärm der Welt. Und Gretchen? Goethe hat den realen Fall der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt (1771) in Frankfurt verfolgt, parallel entstand sein Urfaust , der die althergebrachte Faust-Geschichte nunmehr um die Gretchentragödie ergänzt. Angesiedelt zwischen sozialer Situation und tragischer Liebesgeschichte erzählt sie das reale, fatale und ausweglose Schicksal einer jungen Frau jener Zeit. Nicht nur Faust und sein Begehren, sondern die gewaltigen Umstände der Zeit bringen Gretchen zu Fall. Frauen wie Gretchen waren meist unausgebildet, unwissend, abhängig und bedroht von Armut und Elend. Welche Spuren hinterlässt Fausts Vorwärtsdrängen im Leben Gretchens, die in bürgerlichen, aber doch ärmlichen Verhältnissen lebt? Welche Chance hatte sie im Leben und wäre ein sozialer Aufstieg überhaupt möglich gewesen? Eine junge Frau zwischen Begehren, Selbstbehauptung und sozialem Zwang auf der einen Seite und Bürger:innen auf der anderen Seite, die Gretchens Geschichte zu kennen glauben und sie aus ihrer Perspektive nacherzählen. Für Ihre Rolle als Gretchen war Emilia Reichenbach 2022 für den Gustav Rühle Preis nominiert. „Es ist Zeit, dass wir uns auf den Weg machen Gretchen 2021 ihre Würde zurückzugeben“, so Bert Zander, Regisseur und Videokünstler. Seine bisherigen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Videokunst und Theater waren u. a. an der Volksbühne Berlin, am Thalia Theater Hamburg und am Burgtheater Wien zu sehen. 2020 realisierte er für 3sat / ZDF Camus’ Die Pest als theatrale Miniserie. Eine Kooperation mit der Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e. V. Regie: Bert Zander Bühne & Kostüme: Lene Schwind Schnitt: Fabián Barba Hallal Dramaturgie: Katja Prussas Mitarbeit Regie: Natascha Zander Regieassistenz: Lina Gasenzer Theaterpädagogische Vermittlung: Sabine Koller, Elisabeth Müller
Aufführungen
| Schauspiel
Woman – Life – Freedom
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Am 13. September 2022 wird die kurdische Iranerin Jîna Mahsa Amini von der sogenannten Sittenpolizei verhaftet, weil sie ihr Kopftuch nicht vorschriftsmäßig getragen haben soll. Zwei Stunden nachdem sie auf der Wache ankommt, wird sie ins Krankenhaus eingeliefert und stirbt wenige Tage später an Kopfverletzungen. Anschließend geht eine Welle von Protesten durch den Iran. Jin, Jiyan, Azadî / Woman - Life - Freedom / Frau - Leben - Freiheit lautet die alte Parole, die Protestierende weltweit auf den Straßen rufen und die inzwischen für den Gedanken einer feministischen Revolution stehen. Was genau passierte da im Iran? Warum zu diesem Zeitpunkt? Wer protestierte und welche Konsequenzen hat und hatte diese Bewegung? Wie kann ich mich solidarisieren? In der gleichnamigen Veranstaltungsreihe am Staatstheater Kassel wird diesen Fragen auf den Grund gegangen. Das Augenmerk liegt hierbei darauf, sich über ein akutes globales Medieninteresse hinaus auf internationaler Ebene solidarisch zu zeigen. Die Reihe wird so lange fortgesetzt, wie die revolutionären Bemühungen im Iran, aller Widerstände zum Trotz, andauern. Seien Sie dabei, bei Gesprächen mit Expertinnen, Updates, Lesungen, Filmen und Recherchen, sodass ein Ort der Begegnung, des Widerstands, der Frauenrechte und der Freiheit entsteht. Folge 17: Rückblicke & Hoffnungen Im Herbst 2022 begann, mit Jina Aminis Tod die Woman – Life – Freedom Revolution und damit auch unsere gleichnamige Reihe am Staatstheater. Unsere letzte Ausgabe, am 25. Feb, hatte die Eskalation der Gewalt zum Thema und nur drei Tage später begann der Krieg. In den letzten Jahren ist viel passiert. Hier am Theater haben in 16 Folgen Künstler:innen, Autor:innen und Aktivist:innen Perspektiven aus dem Iran und der Diaspora sichtbar gemacht. Wir möchten eine Bestandsaufnahme machen und gleichzeitig fragen: Was können wir von hier aus (als Künstler:innen) weiterhin tun? Was kann die Zukunft bringen? Welche Themen dann im Mittelpunkt stehen, wird die Zeit zeigen. Mit: Leila Mohtadi, Touran Mohsenipour, Zohreh Almadani, Kibar Kay Delibas, Lisa Natalie Arnold, Laura Kohlmaier
Aufführungen
| Schauspiel
Great Balls of Fire! - Die Jerry Lee Lewis Story
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Die lodernden Geschichten von Sünde und Erlösung kommen aus Radio und Bibel: sie schlagen Funken in gebietender Predigt und lockendem Pop. Ein verlorener Sohn, Jerry Lee Lewis, stürmt aus der tiefsten Provinz ins nationale Rampenlicht, heiratet heimlich seine 13-jährige Cousine, die nur eine seiner insgesamt sieben Frauen sein wird, und wird verdammt. Jahre später beobachtet ein Nachtwächter von Graceland – dem Anwesen von Elvis Presley –, wie sich ein 76er Lincoln Continental schnarrend durch den Kies der Zufahrt gräbt und nach einer letzten Beschleunigung das Tor rammt. Der Fahrer ruft mit einer Stimme ebenso schallenden Chroms: „I want to see Elvis! Just tell him, the killer’s here.“ Justin Hibbeler spielt, singt und erzählt die Story von Jerry Lee Lewis, die auch die Geschichte des Rock ’n’ Roll selbst ist und davon, wie Lewis Schwarze und weiße Musik zusammengebracht hat. Entlang der hämmernden und schmachtenden Songs geht dieser Abend auf eine Reise durch trübe Swimmingpools, schwitzige Tanzsäle und die britische Klatschpresse. Das Ende ist nah, die Hölle heiß. Great Balls of Fire! – Die Jerry Lee Lewis Story, von unserem neuen Ensemblemitglied Justin Hibbeler, ist eine Übernahme des Landestheater Tübingen. Dort hatte es 2023 Premiere. Wir haben die Produktion nun nach Kassel geholt, wo sie wechselnd im Theaterstübchen und im TiF zu sehen sein wird. Regie: Justin Hibbeler Mitarbeit Regie: Olivia Müller-Elmau Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer Dramaturgie: Carlotta Huys Dramaturgie Wiederaufnahme: Alexander Olbrich
Aufführungen
| Schauspiel
Revolution ist machbar, Herr Nachbar!
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Premiere: 6.6.2026 Die Kasseläner Zwillinge Jutta und Gisela treibt es raus aus der Provinz, bestenfalls direkt in die Geschichtsbücher — oder wenigstens in die Boulevardpresse. Im Trubel der 68er-Revolte zieht es das jugendliche Schwesternpaar vom Avantgardefilm in revolutionäre Zellen nach Bochum und Berlin. Nach kurzlebigen Ehen landen sie plötzlich in Rom, begegnen Filmgrößen wie Federico Fellini und verwickeln sich in ein spektakuläres Geiseldrama mit der italienischen Mafia um Paul Getty III, den Enkel des reichsten Mannes der Welt. Sie nehmen alle verfügbaren Drogen und prügeln sich in Hollywood um Bob Dylan. Sie meistern die Selbstinszenierung als It-Girls der 68er, bevor sie mit Rainer Langhans im sogenannten Harem „den Marsch durch die inneren Institutionen“ antreten, um sterben zu lernen. Und (fast) genauso der Liedermacher und Kabarettist Rainald Grebe: aus der rheinischen Provinz ohne Kohle nach Berlin. Nach vielen Alben, Konzertreisen auf der ganzen Welt und überlebten Schlaganfällen steht er live auf der Bühne im Kasseler Schauspielhaus und spürt nach, was jetzt bleibt von der nie geschehenen Weltrevolution einer sterbenden Generation. Mit Liveband, Geräuschemacherei und jungen Filmschaffenden reflektiert er Anfang und Ende jenes langen Marschs, vom Underground über Umwege ins Altersheim. Regie: Bühne: Jürgen Lier Kostüme und Objekte: Janna Skroblin Musik: Jens-Karsten Stoll Geräuschemacherin: Mareike Trillhaas Licht: Brigitta Hüttmann Video: Lorenz Dauber Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Alexander Olbrich, Felix Linsmeier
Aufführungen
| Schauspiel
Stück aus Holz
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Ein Besuch im Forstamt, vielleicht in Hessen, dem Bundesland mit eigenem Urwald: Ein Sturm hat im Wald gewütet und die sowieso über Jahrzehnte ausgebeutete Forstanlage noch weiter beschädigt. Doch auch von Menschen abgeladener Müll, die hohe Waldbrandgefahr und der Borkenkäfer machen den Förster:innen in diesem Holzstück zu schaffen. Zu allem Überfluss sind durch die Aufräumarbeiten auch noch die geregelten Arbeitszeiten im Forstamt in Gefahr. Die Bedrohungslage ist ernst in Felicia Zellers neuestem Stück, in dieser waldigen Komödie voller hölzerner Sätze. Konfrontiert mit einer sich rasant verändernden Welt, in der Holz und Profit nah beieinander liegen, werden die Förster:innen und ihr Revierleiter vor die Frage gestellt, ob „Wald“ sich wirklich immer lohnen muss oder ob nicht doch das Nichtstun die Antwort sein könnte. Vielleicht kann die neu ernannte „Försterin für Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ die Probleme beseitigen? Oder doch die Podcasterin Noa, die das Geschehen dokumentiert, einen Blick von außen behält und sogar den Borkenkäfer interviewt? In Stück aus Holz (UA), einem Auftragswerk für das Staatstheater Kassel, stehen Baumreihen neben Satzreihen, finden sich Kahlflächen und verlieren sich abgesägte Sätze im Wald. Die Autorin Felicia Zeller, bekannt für ihren scharfen Blick und bitterbösen Humor, schreibt Theatertexte und Prosa. Ihre Stücke wurden mehrfach zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Stück aus Holz (UA) ist ihre erste Arbeit für das Staatstheater Kassel, jedoch nicht ihre erste Zusammenarbeit mit der Regisseurin Marie Bues. Das Stück aus Holz wird der fünfte Text von Felicia Zeller sein, der in der Regie von Marie Bues auf die Bühne kommt. Bues ist bekannt für ihre experimentellen zeitgenössischen Theaterpraktiken und ihre enge Zusammenarbeit mit Autor:innen der Gegenwartsdramatik. Seit der Spielzeit 23/24 ist sie Mitglied des Leitungsteams am Schauspielhaus Wien. Regie: Marie Bues Choreographie: Mason Manning Bühne und Kostüme: Indra Nauck Sounddesign: Lila-Zoé Krauß Licht: Oskar Bosman Dramaturgie: Ulf Frötzschner
Aufführungen
| Schauspiel
Schamparadies
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
In einem Mietshaus am Kanal, außerhalb der Stadt, wohnen Mutter und Tochter. Die Mieten steigen und auch auf alle weiteren Krisen in ihrem Leben reagiert die Mutter handlungsunfähig und lethargisch. Da helfen auch die Vorwürfe und Bemühungen ihrer Tochter Vera nicht. Getrieben von (vererbten) traumatischen Erinnerungen überquert Vera den Kanal. Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist die Welt eine andere. Es riecht nach Körpern, es wuchert, es ist … Abseits. Hier sorgen zwei Furien, Tine und Mascha, dafür, dass die Scham einen festen Platz bekommt. Sie greifen gesellschaftliche Tabus an, schlagen, prügeln und bringen so die innersten Abgründe der Menschen zum Vorschein. Eine unheimliche und schöne Utopie. Käme es nicht zu diesem brutalen Zwischenfall in Garten Eden, als Matthias sich plötzlich einmischt. Sina Ahlers, Autorin des Erfolgsstücks Milch & Schuld (UA), erhielt für Schamparadies den Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2020. In diesem Text, der nun am Staatstheater Kassel zur Uraufführung kommt, mischt Sina Ahlers knallhart Realismus und Expressionismus, Bildhaftes mit ihrer eigenen Direktheit. Mal entlarvend humoristisch, mal schmerzhaft radikal, befragt sie Status und Körper. In einer ganz eigenen Formsprache legt sie den schmalen Grat zwischen Intimität und sexuellem Missbrauch offen und blickt so der Scham und ihren Ursprüngen ganz schamlos ins Gesicht In der Regie von Olivia Müller-Elmau, Regisseurin auf der Suche nach den widersprüchlichen zwischenmenschlichen Beziehungen und Gefühlen, werden Trauma und Scham, die, teils über Generationen hinweg, fest in den Körpern sitzen und dort wuchern, sinnlich erfahrbar. In Kooperation mit Mädchenhaus Kassel 1992 e.V. Regie: Olivia Müller-Elmau Bühne und Kostüme: Julius Böhm Sounddesign: Jens Kilz Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Soufflage: Camilla Colonna
Aufführungen
| Schauspiel
Welcome to the BATES MOTEL
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Kassel, 2006: Mit nur 41 Jahren verstirbt Markus Zimmer an Multiorganversagen. Freund:innen und Familie konnten ihn nicht vor seiner Sucht retten. Ein genialer Musiker, ein sensibler Mensch, bekannt für seinen Geschlechterklischees unterwandernden Stil, sein ausschweifendes Leben und seine Musik. „Feels like I’m in heaven, oh I feel so fine. If you were only here my friend, you would have a real cool time.“ Markus Zimmer, genannt Zimbl, war der charismatische Frontmann der Punkband The Bates, die mit ihren eingängigen Melodien sowie rotzigen Coverversionen bekannter Poptitel die deutsche Musikszene der Neunziger Jahre und der Jahrtausendwende prägten - weit über Nordhessen hinaus. „You forgot to kick some asses, you forgot to kick some asses…“ In einem Motel zwischen Eschwege und Phoenix: Seltsame Gäste weht es in einer Gewitternacht in das Bates Motel: einen Schlagzeuger, lädiert durch einen Autounfall, einen Priester mit einem geheimnisvollen Koffer, eine mysteriöse Geschäftsfrau auf der Flucht. Was wollen sie von dem schüchternen Rezeptionisten? Und wer ist die seltsame Frau mit dem Messer…? Alfred Hitchcocks Film Psycho war die Inspiration für den Namen der Band, die der junge Zimbl und seine Freunde Klube, Armin und Pogo - zu denen später noch Reb und Dully stießen – gründeten. 20 Jahre nach Zimbls Tod inszeniert und schreibt Regisseur Dominique Schnizer einen Theaterabend über Zimbl, mit Erinnerungen seiner Freund:innen und Wegbegleiter:innen und der unsterblichen Musik der Bates. Und auch der fiktive Namensgeber der Band hat einen Auftritt. Verbunden in ihrer Einsamkeit begegnen Norman Bates und Zimbl ihren inneren Dämonen. In einem Motel irgendwo zwischen Eschwege, Hessen und Phoenix, Arizona durchleben sie noch einmal die entscheidenden Momente ihrer eigenen komplizierten Geschichte. „Feels like I’m in heaven“ In Kooperation mit Scheibenbeisser – Hessens großer und unabhängiger Schallplatten- und CD-Laden. Musikalische Stückentwicklung von Dominique Schnizer Regie: Dominique Schnizer Bühne und Kostüme: Christin Treunert Musik (auch Live): Augustin Zimmer Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
Aufführungen
| Schauspiel
Raststätte Jammertal
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
„Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon Das Himmelreich errichten.“ Das schreibt der berühmte Dichter Heinrich Heine in seinem Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen, als er 1843 in sein geliebtes, sein gehasstes Deutschland reist, um seine Mutter zu besuchen. Schon seit zwölf Jahren lebt er im französischen Exil und hat Sehnsucht nach der Heimat: Heine, der Jude, der Christ, der Deutsche, der Franzose, der Romantiker, der Erotiker, der ironische Überwinder der Romantik – und der politische Schriftsteller. Der Freund von Marx und Engels erhofft sich eine emanzipatorische Revolution für Deutschland und kann doch nicht die Augen verschließen vor allem, was dem im Wege steht und was er kunstvoll-spöttisch in seiner Dichtung besingt: den deutschen Korpsgeist, die Spießigkeit, die Schwermütigkeit, die Ordnungsliebe und die gar nicht so liebe Ordnung, die durch Gewalt und Zensur in seinem Geburtsland herrscht. Und heute? Wo stehen wir in Bezug auf Heines Deutschlandkritik und seinem Ruf nach Veränderung angesichts der globalen Polykrisen, des allgemeinen Vertrauensverlustes in die Demokratie, der Rückkehr des Konservatismus, Autoritarismus, Chauvinismus, Populismus, Nationalismus, des universalen „Me First“, „Nation First“? Was ist aus Heines neuem Lied geworden? Singen wir wieder das alte? Autor und Regisseur Alexander Eisenach lässt sich in dieser Stückentwicklung von Heines lyrischem Werk inspirieren, um nach Zonenrandgebiet (UA) und Anthropos Antigone (UA) seine poetisch-politische Erforschung deutscher Geschichte in Kassel fortzuschreiben und die Frage nach unserem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis, unseren Zukunftsängsten und reaktionären Sehnsüchten – der GERMAN ANGST – zu stellen. Und doch, trotz alledem: „Gib dich zufrieden, Vater Rhein, Denk nicht an schlechte Lieder, Ein besseres Lied vernimmst du bald – Leb wohl, wir sehen uns wieder.“ In Kooperation mit dem Institut für Germanistik der Universität Kassel und dem Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben. Regie: Alexander Eisenach Bühne: Sibylle Pfeiffer, Carsten Rüger Lichtdesign: Carsten Rüger Kostüme: Bettina Werner Sounddesign: Sven Michelson Video: Oliver Rossol Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Animation: Sarah Franke Dramaturgie: Alexander Olbrich Beleuchtungsmeister: Oskar Bosman
Aufführungen
| Schauspiel
vor die hunde
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
"vor die hunde (UA)" ist eine szenische Collage von Wanderbewegungen aus Deutschland nach Brasilien seit dem 16. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht das deutsch-brasilianische Paar Marlene und Rosa. Um sie herum werden Schlaglichter auf verschiedene Zeitepochen geworfen. Menschen, die aus verschiedensten Gründen ihre Heimat verlassen haben, die sich (gewaltvoll) ein neues Zuhause geschaffen haben oder sich eben nie ganz heimisch fühlen konnten. Vor knapp 500 Jahren hat sich Hans Staden aus Nordhessen auf den Weg gemacht und ist auf der Suche nach einem besseren Leben gleich zweimal zufällig in Brasilien gelandet. Danach schreibt er das erste deutschsprachige Buch über Südamerika: eine aus heutiger Sicht reißerische Schilderung von Begegnungen mit der indigenen Bevölkerung. In seiner Heimat fast vergessen, ist er in Brasilien bis heute eine bekannte Figur. Die aus Kassel stammende Autorin Nora Mansmann verwebt die Erfahrungen von Staden mit denen, die Rosa und Marlene heute machen und die Andere in den 500 Jahren dazwischen gemacht haben. Eine vielschichtige Erzählung über Kolonialismus, Rassismus und die Verflechtung europäischer und südamerikanischer Geschichte. Immer wieder machen Menschen sich auf den Weg von Deutschland nach Brasilien. Emilie - die Frau des Kolonisten, die mit ihrem Mann nach Brasilien muss. Maria Kahle, die Nazipropagandistin, die zufällig dort war, als der erste Weltkrieg ausbrach. Stefan Zweig, der in Brasilien den Sehnsuchtsort gefunden hat, der das zerstörte Europa für ihn nicht mehr sein konnte. Und Rita, die Auswanderin - auch auf der Suche nach dem besseren Leben mit „Samba, Sonne, Lebensfreude.“ Eine Konfrontation mit Geistern der Vergangenheit und der Gegenwart: Stimmen aus der Kolonialgeschichte mischen sich ein, Hunde und Geister widersprechen einander. Die drohende Apokalypse ist als ständige Krise in den Lebensrealitäten der Figuren spürbar. Ein Scharfstellen auf einen Punkt in der Geschichte auf das Jetzt und doch die Gewissheit, das kann nicht das Ende sein, es wird weitergehen. Machen wir etwas anders? vor die hunde (UA) ist die erste Arbeit für das Staatstheater Kassel der Autorin und Theatermacherin Nora Mansmann. Andere Arbeiten waren bereits zu sehen am Theater Osnabrück, am Maxim Gorki Theater Berlin und am Düsseldorfer Schauspielhaus. Nach Die Troerinnen: 2nd Season (UA) und Milch & Schuld (UA) ist dies Sarah Frankes dritte Regiearbeit am Staatstheater Kassel. Regie: Sarah Franke Choreographie: Gili Goverman Autorin: Nora Mansmann Kostüme: Isabell Heinke Bühne: Ann-Christine Müller Musik: Felix Thewanger Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Laura Kohlmaier
Aufführungen
| Schauspiel
Triage
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Deutsch von Matthias Naumann Das Schauspiel legt erneut einen Fokus auf zeitgenössische israelische Dramatik und zeigt in einer deutschsprachigen Erstaufführung Triage, das neue Stück der israelischen Autorin Maya Arad Yasur. Sie ist dem deutschen Theaterpublikum bereits durch Werke wie Gott wartet an der Haltestelle und Amsterdam bekannt. In Triage widmet Arad Yasur sich nun dem komplexen Thema der medizinischen Prioritätensetzung unter den Bedingungen knapper Ressourcen in einem Katastrophenfall. Prof. Robinson, die Leiterin einer Intensivstation, steht vor der schwierigen Aufgabe, über die Verteilung lebenswichtiger Ressourcen, insbesondere Beatmungsgeräte, zu entscheiden. Dabei werden ihre eigenen professionellen Entscheidungen durch die persönlichen Krisen in ihrer Familie – dem Kampf ihres Mannes mit Parkinson, der ihre ganze Aufmerksamkeit und emotionale Kraft fordert – beeinträchtigt, was ihre Situation noch verzweifelter macht. Dr. Aydin ringt ebenfalls mit den Grundsätzen der medizinischen Ethik, während zugleich seine Frau ein Kind zur Welt bringt. Diese Figuren verdeutlichen die inneren Konflikte und moralischen Dilemmata, mit denen medizinisches Personal in Extremsituationen konfrontiert wird: Vor dem Hintergrund einer weitreichenden Brandkatastrophe und der daraus resultierende Überlastung der Krankenhäuser wird eine kaum zu ertragende Atmosphäre geschaffen, die Ärzte und Pflegekräfte zu schnellen, oft herzzerreißenden Entscheidungen über Leben und Tod zwingt. Triage beleuchtet die rohe Realität derjenigen, die mit den Schattenseiten ihrer Berufung konfrontiert werden, wo jede Entscheidung das Potenzial hat, sowohl zu retten als auch zu zerstören: Wer von zwei Brüdern soll das letzte Beatmungsgerät erhalten? Was tun, wenn man seinem eigenen Mann nicht helfen kann? Josua Rösing wird mit Triage seine zweite Inszenierung eines israelischen Textes machen. Bereits 2023 hatte Die Friedensstifterin von Avishai Milstein Premiere und ist seit dem zum Reclaim Kunstfreiheit Festival nach Berlin, zum Open The Doors Festival nach Kattowice und zu den Hessischen Theatertagen nach Gießen eingeladen worden. Regie: Josua Rösing Bühne und Kostüme: Michael Lindner Musik: Alexandra Holtsch Dramaturgie: Elias Lepper Video: Jens Bluhm
Aufführungen
| Musical
School of Rock
Staatstheater Kassel - INTERIM
Musik von Andrew Lloyd Webber Buch von Julian Fellowes Gesangstexte von Glenn Slater | Deutsch von Timothy Roller Basierend auf dem gleichnamigen Erfolgsfilm mit Jack Black folgt das mitreißende Rockmusical von Andrew Lloyd Webber dem gescheiterten Sänger Dewey Finn, der kurz vor einem Contest aus seiner Band geschmissen wurde. Um wenigstens die Miete bezahlen zu können, gibt Dewey sich als Aushilfslehrer aus und landet, ohne tatsächlich etwas von Mathe oder anderen Schulfächern zu verstehen, an einer Eliteschule. Wovon er aber eine Menge versteht, ist Musik! Als Hausaufgabe gibt er seinen Schüler:innen auf, Musik von Bands wie AC/DC, Led Zeppelin und Black Sabbath zu hören – die darauf, zum Ärger der Schulleiterin, zum Soundtrack des Schulalltags werden. Die zu Beginn noch skeptischen Jugendlichen lassen sich bald von Deweys Begeisterung für Rockmusik anstecken und brechen aus ihrer braven Erziehung aus. Um aber beim Battle of Bands als richtige Rockband bestehen zu können, müssen die Schüler:innen alles geben. Das Team um Regisseurin Marlene Pawlak, das zuletzt mit Emil und die Detektive das Kasseler Publikum begeisterte, setzt mit viel Humor Webbers Musical in die Raumbühne ANTIPOLIS. Die Kinder und Jugendlichen des CANTAMUS-Chores bevölkern als Schulgemeinschaft die Bühne und erkunden die transformative Kraft der Musik. Zur Einstimmung auf den Theaterbesuch gibt es für Zuschauer:innen und Lehrkräfte die Möglichkeit, sich ein Einführungsvideo mit Blick hinter die Kulissen, interaktiven Übungen und Informationen zur Stückentwicklung anzuschauen. Ab April 2025 unter School of Rock auf www.staatstheater-kassel.de oder auf Nachfrage an theaterpaedagogik@staatstheater-kassel.de Musikalische Leitung: Peter Schedding Regie: Marlene Pawlak Bühne: Wolf Gutjahr Kostüme: Anna Rudolph Licht: Holger Tschersich Dramaturgie: Teresa Martin CANTAMUS-Chor: Fiona Luisa, Peter Schedding Video-Regie: Victoria Koberstein Choreografie: Nele Neugebauer
Aufführungen
| Oper
Die Fledermaus
Staatstheater Kassel - INTERIM
Der Champagner ist an allem schuld: Bevor der arrogante Eisenstein seine verordnete Haftstrafe antritt, lässt er es sich noch auf einem Fest des Prinzen Orlofsky gut gehen. Währenddessen empfängt seine Gattin Rosalinde zuhause ihren Liebhaber Alfred, bis der unglücklicherweise statt Eisenstein ins Gefängnis abgeführt wird. In der wohl berühmtesten Operette schwingt sich das dekadente Wiener Leben auf zum doppel- bödigen Tanz mit sektgetränkten Verwechslungsspielen, maskierten Seitensprüngen und bürgerlicher Scheinheiligkeit. Regisseur Philipp Moschitz reiht dieses Spektakel ein in die beliebte Tradition der rauschenden Theaterbälle in Kassel und lässt das Publikum selbst Zeuge und Komplize der „Rache der Fledermaus“ sein: Mittendrin statt nur dabei wird ausgelassen gegessen, sich betrunken und das eine Bein im Walzertakt geschwungen, während das andere schon im Gefängnis steht. Temporeich und voller feinem Humor kommen alle zum Zug, vom gelangweilten Kammermädchen bis zum beschwipsten Gerichtsdiener. Glücklich ist, wer vergisst, in welcher allzu vertrauten Dissonanz all die Leichtigkeit mit dem Wiener Zeitgeist steckt: beschämende Niederlage gegen die Preußen im Nacken, brodelnde Balkankrise und ein Börsencrash, der den hedonistischen Spekulanten ihre Feierlaune verdirbt. Angeheizt durch die wirbelnden Ohrwürmer des Walzerkönigs Johann Strauss verheddert sich die Ballgesellschaft im süßen Strudel ungeahnter Konsequenzen. Unter der musikalischen Leitung von Kiril Stankow entspinnt sich ein kulinarisches Feuerwerk musikalischer Verlockungen, die das sinnlich-sündige Vergnügen komplettieren. Musikalische Leitung: Kiril Stankow Musikalische Assistenz und Nachdirigat: Viktor Jugović Regie: Philipp Moschitz Bühne und Video: Ayşe Gülsüm Özel Kostüme: Claudio Pohle Choreographie: Sven Niemeyer Licht: Holger Tschersich Dramaturgie: Felix Linsmeier Chorleitung: Marco Zeiser Celesti
Aufführungen
| Musiktheater
Zornfried
Staatstheater Kassel - INTERIM
Auf Burg Zornfried versammeln sich die Vordenker einer Neuen Rechten: Eine Burgherrin philosophiert völkisch, junge Männergruppen ertüchtigen kämpferisch ihre Leiber, und ein geheimnisvoller Dichter schmiedet Verse, die von Blut, Weihe und Kitsch triefen. Und immer wieder schimmern Verbindungen zu einer erstarkenden neuen Partei auf. Das lockt auch kritische Journalist:innen an, die das neu-rechte Kulturzentrum großspurig begleiten – und dabei jede Distanz verlieren und der Demokratie einen Bärendienst erweisen. Jörg-Uwe Albig hat 2019 mit Zornfried (UA) eines „der wichtigsten Bücher des Jahres“ (FAZ) geschrieben. In der Kasseler Uraufführung als Romanadaption verwischen bei teilnehmender Beobachtung und beobachtender Teilnahme zunehmend die Grenzen: Wehrsportübungen, Wagner und weihevolle Tafelrunden erfüllen die Aura der alten preußischen Jägerkaserne um das INTERIM. Komponist Philipp Krebs ist eine preisgekrönte neue Stimme im Musiktheater und macht sich für Zornfried (UA) auf die Suche nach der grotesken Horrorvision neuer deutscher Tonalität. Im Untergrund seiner avancierten Klangsprache mit großem Orchester raunt es immer mal wieder leitmotivisch, nationalromantische Klänge vermischen sich mit biersaurem Volksmusikschlager und Retro-Kitsch, und unter verlockend-augenzwinkernder Leichtigkeit lauert der tiefbraune Abgrund. Regisseurin Kerstin Steeb und Dirigent Viktor Jugović spitzen die Realsatire als raumgreifendes neues Musiktheater zu, bei dem man allzu schnell schuldlos schuldig wird. Ein Kompositionsauftrag des Staatstheaters Kassel, finanziert von der von der Ernst von Siemens Musikstiftung. Musikalische Leitung: Viktor Jugović Musikalische Assistenz und Nachdirigat: Anne-Louise Bourion Komposition: Philipp Krebs Libretto: Jörg-Uwe Albig Regie: Kerstin Steeb Bühne: Jade J. Boeckh Kostüme: Hanne Lenze-Lauch Licht: Holger Tschersich Video: Rosa Wernecke Dramaturgie: Felix Linsmeier, Kornelius Paede
Aufführungen
| Musiktheater
Deutsche Symphonie
Staatstheater Kassel - INTERIM
Premiere: 30.5.2026 Oh Deutschland, bleiche Mutter! In einem eindrucksvollen Kompositionsprozess von 1935 bis 1959 reagierte Komponist Hanns Eisler auf die deutsche Zeitgeschichte und stellte sein musikalisches Schaffen in die Dienste der Politik. Aus dem Moskauer Exil heraus schrieb er 1935 an seinen Denkpartner Bertolt Brecht: „Ich habe einen sehr interessanten Kompositionsplan und zwar will ich eine große Symphonie schreiben, die den Untertitel Konzentrationslagersymphonie haben wird.“ Hatte schon Beethoven für seine Neunte Chor und Solist:innen integriert, geht Eisler einen Schritt weiter und schafft mit seiner Deutschen Symphonie ein vokalsinfonisches Großwerk der antifaschistischen Emigration zwischen Oratorium und politischem Lied. Durchaus programmatisch aufgeladen und agitiert ruft die Deutsche Symphonie zum linken Widerstand der Arbeiterschaft gegen den Nationalsozialismus auf. Als politisches Bekenntnis gegen den rechten Terror zeichnet seine kompromisslose Komposition ein eindrückliches Bild von der Endzeit der Weimarer Republik über das Erstarken rechter Tendenzen hin zur Nachkriegszeit und der Teilung Deutschlands – immer mit Blick auf den möglichen Widerstand, der auch heute bitter nötig ist. Als Nationalhymnenkomponist steht Eisler in der DDR dann zwischen den Stühlen, denn auch hier lösen Anklage und Ideologie nicht die sozialen Probleme und seine musikalische wie inhaltliche Eindeutigkeit steht im starken Kontrast zu der Komplexität der Nachkriegszeit. Erstmals wird Eislers Deutsche Symphonie in Szene gesetzt: im INTERIM auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne, wo junge Männer aus Kassel und Umgebung gemustert wurden, auch schon vor knapp 100 Jahren. Nach La muette de Portici und Don Giovanni kehrt Regisseur Paul-Georg Dittrich zurück ans Staatstheater Kassel, und beschwört zusammen mit Kiril Stankow die Geister der Vergangenheit als warnende Stimmen der Gegenwart. Musikalische Leitung: Kiril Stankow Regie: Paul-Georg Dittrich Bühne: Pia Maria Mackert Kostüme: Anna Rudolph Video: Lukas Rehm Licht: Jürgen Kolb Sounddesign und Elektronik: Christopher Scheuer Dramaturgie: Teresa Martin
Aufführungen
| Schauspiel
Sechzehn Wörter
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Sechzehn Wörter nimmt uns mit auf die Reise von Mona, einer jungen Journalistin, die sich ausgelöst durch den Verlust ihrer Großmutter in einer Identitätskrise wiederfindet und deswegen in den Iran reist. Diese Reise, die von den vertrauten Straßen Deutschlands bis in das Herz des Iran reicht, ist nicht nur ein Abschied, sondern es ist auch eine Feier des Lebens und flirrende Selbstreflexion. Es ist eine Odyssee der Selbstfindung, kunstvoll in sechzehn Kapiteln dargestellt, jedes mit einem einzigen persischen Wort betitelt, welches die Essenz der Geschichte einfängt und nicht übersetzbar ist. Ein Schlüsselmoment ist Monas ungeplanter Ausflug mit ihrem Geliebten nach Bam, eine durch ein Erdbeben zerstörte Stadt. Hier, inmitten der Trümmer, wird sie mit den Bruchstücken ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Dabei kommen ihre Fluchtgeschichte nach Deutschland, die Beziehung zu ihrer Mutter und Großmutter und damit einhergehend all die ungelösten Fragen und unausgesprochenen Wahrheiten dieser Familiengeschichte ans Licht. Nava Ebrahimi wurde 1978 in Teheran geboren. 2021 erhielt sie für den Text Der Cousin den Ingeborg-Bachmann-Preis, auch ihr Debüt Sechzehn Wörter wurde mehrfach ausgezeichnet. Dariusch Yazdkhasti, hat bereits 2022 in Kassel Kristof Magnussons Ein Mann der Kunst inszeniert. Bei Sechzehn Wörter liegt ihm vor allem die multiperspektivische Dimension von Mona am Herzen, so wird ihr selbst auf der Reise klar: „Man sollte besser in der Heimat bleiben und essen, was die Vorfahren aßen. Für Wanderschaft zahlt man einen hohen Preis. Mehr als das, was gefälschte Pässe und Fluchthelfer kosten.“ Sechzehn Wörter wird thematisch von der seit 2022 bestehende Reihe des Schauspiels Woman – Life – Freedom flankiert, die regelmäßig einen neuen Fokus auf die Freiheitskämpfe im Iran richtet. Regie: Dariusch Yazdkhasti Bühne und Kostüme: Julia Hattstein Licht: Stefanie Dühr Dramaturgie: Alexander Olbrich Video: Navid Razavi
Aufführungen
| Schauspiel
RAVE
Staatstheater Kassel - INTERIM
Less Drama, More Techno! In den 90er-Jahren entwickelte sich Kassel neben Frankfurt und Berlin zur dritten Techno-Hochburg Deutschlands. Im Zentrum stand ein legendärer Club: das Aufschwung Ost, später Stammheim. Hier schuf eine kleine Clique von Techno-Enthusiasten eine deutschlandweite Pilgerstätte der neuen Subkultur – mit unverwechselbarem Design und sogar einer eigenen Comicreihe. International bekannte Größen wie Dr. Motte und DJ Rush erwiesen dem Kultort die Ehre und feierten auf bis zu drei Stockwerken und 5.000 m² Dancefloor die einzigartige Atmosphäre. Es waren die unbeschwerten 90er-Jahre: Aufbruchstimmung und Entgrenzungserfahrungen in den langen Nächten von Freitag auf Montag. Das Jahr 2002 markierte das Ende dieser Ära: Nach jahrelangen Konflikten um Lärmbelästigung, Müllberge und Drogenmissbrauch wurde der Mietvertrag des legendären Clubs schließlich nicht verlängert. Was blieb, war eine Lücke in der Kasseler Kulturlandschaft. Über zwei Jahrzehnte später greift das Schauspiel Kassel diesen faszinierenden Teil der Stadtgeschichte wieder auf und holt ihn an einem neuen Ort – dem INTERIM – aus der Versenkung. Durch eine Phase intensiver Recherche ist ein Theaterstück entstanden, das weit über eine rein historische Rückschau hinausgeht. Es ist eine Hommage an die Liebe zur elektronischen Musik und eine Untersuchung des Lebensgefühls einer ganzen Generation. Welche Utopie steckte im Techno damals und welche Relevanz hat Clubkultur heute? Laura N. Junghanns’ dritte Arbeit in Kassel entwickelt sich vom Dokumentarischen ausgehend hin zu einem Rave: Schrille Kostüme, hypnotische Bühneneffekte und die wummernden Beats von DJ Chi bilden den Rahmen für einen Cast, der alle Grenzen sprengt. Und schließlich sind auch einige der Kasseler Szenegrößen mit am Start. Was soll da noch schiefgehen? Nichts. Alles. Ein Rückblick mit Liebe, der tanzwütig in der Gegenwart ankommt. No regrets, please – less drama, more techno! In Kooperation mit dem PLUS-Ensemble des Staatstheaters Kassel und dem Club Graf Karl. Regie und Text: Laura N. Junghanns Bühne und Video: Elizaweta Veprinskaja Kostüme: Ariella Karatolou Musik und Sounddesign: DJ Chi Choreographie: Frida Laux Licht: Holger Tschersich Live-Video: Victoria Koberstein Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Alexander Olbrich Produktionsleitung: Winnie Wilka Projektleitung JUST+: Carlotta Rogge
Aufführungen
| Schauspiel
Ulysses
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF
Virgina Woolf nannte ihn „den langweiligsten Roman der Welt“. Kurt Tucholsky verglich dieses Werk mit einem Maggi Brühwürfel, der über Generationen hinweg mittelmäßig aufgebrüht werden würde. Ulysses, der Roman, der James Joyce für immer berühmt machte, gilt nichtsdestotrotz als eines der großen literarischen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts. Bei der Veröffentlichung wurde der Roman als blasphemisch und pornografisch verdammt und schon bald in mehreren Ländern zensiert oder verboten. Angelehnt an die Irrfahrten des griechischen Helden Odysseus, schildert Joyce die Ereignisse eines einzigen Tages, dem 16. Juni 1904, in Dublin. Doch statt heroischer Abenteuer erlebt das Romanpersonal die alltäglichen Prüfungen des Lebens in einer urbanen, entfremdeten Welt. Diese Welt gleicht in ihrer Normalität über alle Zeiten hinweg auch der unseren. Und auch die Begegnungen gleichen weniger den mythischen Herausforderungen der antiken Monster Skylla und Charybdis, sondern eher denen, die auch unser Leben bestimmen. Die Handlung folgt drei Hauptfiguren: Stephen Dedalus, einem jungen, intellektuellen Künstler, Leopold Bloom, der mit Freund:innen und Unbekannten durch Dublin Kassel irrt, und Molly Bloom, Leopolds vorgeblich untreuer Ehefrau. Über ihre Schulter hinweg erleben wir eine männlich geprägte Welt – von der Antike bis heute. Die Geschichten der Figuren verweben sich durch ihre Kämpfe, nicht gegen Ungeheuer, sondern mit Themen wie Identität, Einsamkeit, Liebe, Sexualität und den Sinn des Lebens. Bert Zander wählt diesen Roman als Vorlage und verlagert die radikal menschliche Erzählung des Ulysses in den Theaterraum – und mit Live-Videoaufnahmen auch in die Stadt, ihre Kneipen, Taxis und Straßen. Ästhetisch einzigartig, lässt Bert Zander eine Welt zwischen Video und Theater entstehen und macht so in seiner, nach FAUSTGretchen und Krieg und Frieden, dritten Arbeit am Staatstheater Kassel einen weiteren großen Stoff der Weltliteratur neu erfahrbar. Fragt man ihn, wie er Handlung und Moral des Romans zusammenfassen würde, zitiert Zander das letzte Wort des Ulysses: „Yes.“ In Kooperation mit dem Irish Pub Kassel: The Shamrock. Regie: Bert Zander Bühne und Kostüme: Lene Schwind Musik: Erik Veenstra Licht: Stefanie Franke Video: Bert Zander Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Laura Kohlmaier Produktionsleitung: Winnie Wilka
Aufführungen
| Schauspiel