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Aufführungen | Schauspiel

Welcome to the BATES MOTEL

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Kassel, 2006: Mit nur 41 Jahren verstirbt Markus Zimmer an Multiorganversagen. Freund:innen und Familie konnten ihn nicht vor seiner Sucht retten. Ein genialer Musiker, ein sensibler Mensch, bekannt für seinen Geschlechterklischees unterwandernden Stil, sein ausschweifendes Leben und seine Musik. „Feels like I’m in heaven, oh I feel so fine. If you were only here my friend, you would have a real cool time.“ Markus Zimmer, genannt Zimbl, war der charismatische Frontmann der Punkband The Bates, die mit ihren eingängigen Melodien sowie rotzigen Coverversionen bekannter Poptitel die deutsche Musikszene der Neunziger Jahre und der Jahrtausendwende prägten - weit über Nordhessen hinaus. „You forgot to kick some asses, you forgot to kick some asses…“ In einem Motel zwischen Eschwege und Phoenix: Seltsame Gäste weht es in einer Gewitternacht in das Bates Motel: einen Schlagzeuger, lädiert durch einen Autounfall, einen Priester mit einem geheimnisvollen Koffer, eine mysteriöse Geschäftsfrau auf der Flucht. Was wollen sie von dem schüchternen Rezeptionisten? Und wer ist die seltsame Frau mit dem Messer…? Alfred Hitchcocks Film Psycho war die Inspiration für den Namen der Band, die der junge Zimbl und seine Freunde Klube, Armin und Pogo - zu denen später noch Reb und Dully stießen – gründeten. 20 Jahre nach Zimbls Tod inszeniert und schreibt Regisseur Dominique Schnizer einen Theaterabend über Zimbl, mit Erinnerungen seiner Freund:innen und Wegbegleiter:innen und der unsterblichen Musik der Bates. Und auch der fiktive Namensgeber der Band hat einen Auftritt. Verbunden in ihrer Einsamkeit begegnen Norman Bates und Zimbl ihren inneren Dämonen. In einem Motel irgendwo zwischen Eschwege, Hessen und Phoenix, Arizona durchleben sie noch einmal die entscheidenden Momente ihrer eigenen komplizierten Geschichte. „Feels like I’m in heaven“ In Kooperation mit Scheibenbeisser – Hessens großer und unabhängiger Schallplatten- und CD-Laden. Musikalische Stückentwicklung von Dominique Schnizer Regie: Dominique Schnizer Bühne und Kostüme: Christin Treunert Musik (auch Live): Augustin Zimmer Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
Aufführungen | Schauspiel

Revolution ist machbar, Herr Nachbar!

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Die Kasseläner Zwillinge Jutta und Gisela treibt es raus aus der Provinz, bestenfalls direkt in die Geschichtsbücher — oder wenigstens in die Boulevardpresse. Im Trubel der 68er-Revolte zieht es das jugendliche Schwesternpaar vom Avantgardefilm in revolutionäre Zellen nach Bochum und Berlin. Nach kurzlebigen Ehen landen sie plötzlich in Rom, begegnen Filmgrößen wie Federico Fellini und verwickeln sich in ein spektakuläres Geiseldrama mit der italienischen Mafia um Paul Getty III, den Enkel des reichsten Mannes der Welt. Sie nehmen alle verfügbaren Drogen und prügeln sich in Hollywood um Bob Dylan. Sie meistern die Selbstinszenierung als It-Girls der 68er, bevor sie mit Rainer Langhans im sogenannten Harem „den Marsch durch die inneren Institutionen“ antreten, um sterben zu lernen. Und (fast) genauso der Liedermacher und Kabarettist Rainald Grebe: aus der rheinischen Provinz ohne Kohle nach Berlin. Nach vielen Alben, Konzertreisen auf der ganzen Welt und überlebten Schlaganfällen steht er live auf der Bühne im Kasseler Schauspielhaus und spürt nach, was jetzt bleibt von der nie geschehenen Weltrevolution einer sterbenden Generation. Mit Liveband, Geräuschemacherei und jungen Filmschaffenden reflektiert er Anfang und Ende jenes langen Marschs, vom Underground über Umwege ins Altersheim. Regie: Tom Kühnel Bühne: Jürgen Lier Kostüme und Objekte: Janna Skroblin Musik: Jens-Karsten Stoll Geräuschemacherin: Mareike Trillhaas Licht: Brigitta Hüttmann Video: Lorenz Dauber Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Alexander Olbrich, Felix Linsmeier
Aufführungen | Musiktheater

Der fliegende Holländer

Staatstheater Kassel - INTERIM

Premiere: 19.9.2026 In den Weiten des INTERIM schlägt das dunkle Herz der deutschen Romantik. Haltlos irrt der Holländer auf dem Ozean des Weltmarkts umher und häuft abstrakte Reichtümer an. Der schrankenlose Zwang zur Geldvermehrung erscheint ihm als Fluch, der ihn zu ewiger Rastlosigkeit verdammt. Einzig das kompensatorische Gegenmodell ewiger Treue verspricht dem Holländer Erlösung von der Konkurrenz und so findet er seine letzte Hoffnung im bürgerlichen Ideal der Liebe. Der Geschäftsmann Daland macht ihm seine Tochter Senta schmackhaft, die ebenfalls von der bedingungslosen Liebe träumt und auf der verzweifelten Suche nach einer höheren Aufgabe im Leben ist. Deal ist Deal im Zeitalter der Tech-Milliardäre und so ist der Handel schnell geschlossen, auch wenn Senta sich eigentlich gerade nicht hinters Spinnrad spannen lassen möchte. Und dann ist da auch noch Erik, der Senta ebenso für sich beansprucht. Zwischen unterschiedlichen Lebensmodellen erweist sich das Idealbild von Senta bald als leere Abstraktion … So manches Weltbild gerät ins Wanken, wenn Wagners gewaltige Klangstürme unter der musikalischen Leitung unseres neuen 1. Kapellmeisters und stellvertetenden GMDs Clemens Fieguth durchs INTERIM wehen. Im Auge des Sturms steht Wagners Lebensthema: die Aufopferung des Subjekts für die größere Idee. Für Der fliegende Holländer verwandeln die Regisseur:innen Marlene Pawlak und Florian Lutz das INTERIM in einen kleinstädtischen Mikrokosmos, in dem die Drangsale der gesellschaftlichen Verhältnisse zu Tage treten. Musikalische Leitung: Clemens Fieguth Regie: Florian Lutz Regie: Marlene Pawlak Bühne: Sebastian Hannak Kostüme: Mechthild Feuerstein Mitarbeit Bühne: Maximilian Schwidlinski Licht: Jürgen Kolb Video: Konrad Kästner Dramaturgie: Teresa Martin Chorleitung: Marco Zeiser Celesti Cam-Operator: Victoria Koberstein
Aufführungen | Schauspiel

König Lear

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

„Welche von euch liebt mich am meisten?“, fragt König Lear seine drei Töchter Goneril, Regan und Cordelia, um sein Reich nach dem beschworenen Liebesbekenntnis gerecht unter ihnen aufzuteilen. Doch er verrechnet sich: Ausgerechnet seine liebste Tochter Cordelia weist den Liebeswettbewerb zurück und fordert stattdessen Ehrlichkeit. Lear – außer sich vor Wut – verbannt sie und teilt sein Land unter den anderen beiden Töchtern auf. Bedingung: Er und sein Gefolge werden Monat für Monat abwechselnd von einer der beiden verpflegt und untergebracht. Doch Goneril und Regan sind dieser Forderung schnell überdrüssig, wollen ihn loswerden und entmachten ihn bei der erstbesten Gelegenheit. Der einstmals große König, gänzlich auf die nackte menschliche Existenz reduziert, verfällt zunehmend dem Wahnsinn, von allen verlassen – außer seinem Hofnarren. Da kommt Meldung aus Frankreich, dass die verbannte Cordelia ein Heer aufgestellt hat, um ihn zu retten und gegen die eigenen Schwestern zu kämpfen. Eine beispiellose Gewaltspirale wird in Gang gesetzt. An ihrem Ende sind alle tot. Fast. Wie sieht es heute aus, wenn ein Herrscher abtritt und sein Land oder seinen Besitz der nächsten Generation übergibt? Ändern sich damit Machtstrukturen? Thomas Melle bleibt in seiner Bearbeitung zwar nah an der Handlung des Originals, verschiebt jedoch wichtige Akzente hin zu einem zeitgemäßen Generationenkonflikt und katapultiert das Stück auch sprachlich ins Heute, in eine Welt im Umbruch. In dieser Welt kämpfen verfeindete Lager mit Hilfe von „alternativen Wahrheiten“, niemand diskutiert miteinander, stattdessen ringen alle hasserfüllt um Deutungshoheit. Doch was hält die Weltgemeinschaft noch zusammen, wenn sie von keiner gemeinsam geteilten Wahrheit mehr getragen wird? In der Regie von Lars-Ole Walburg, bekannt in Kassel unter anderem als Regisseur von Singletreff (UA), Auf Wache (UA) und Der Funke Leben (UA), entwickelt sich Shakespeares grausame Tragödie zu einem düsteren Sinnbild für unsere moderne Gesellschaft, in der sich verschiedene Weltanschauungen und Realitäten ohne Kommunikationsbereitschaft unversöhnlich gegenüberstehen – und Machtgier die einzige Konstante bleibt. Regie: Lars-Ole Walburg Bühne: Maria-Alice Bahra Kostüme: Maria Walter Musik (auch Live): Martin Engelbach Licht: Brigitta Hüttmann Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Alexander Olbrich In Kooperation mit dem Fachgebiet Literaturwissenschaft Anglistik und Amerikanistik der Universität Kassel.
Aufführungen | Tanz

SEASON 5: Let’s Talk About Blossom & Decay

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

„Tanz ist die Mathematik der Bewegung zur Musik.“ (Robozee) Mit Blossom & Decay widmet sich Robozee einem der grundlegendsten und doch tiefgründigsten Zyklen des Lebens – dem stetigen Wechsel von Wachstum und Verfall. Blossom & Decay zeigt den fragilen Kampf zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen Kontrolle und Hingabe. Es thematisiert die paradoxe Schönheit des Lebens, die sich im Angesicht von Zerstörung und Verfall immer wieder neu entfaltet, nur um erneut in den Abgrund zu stürzen. Robozee lässt in Blossom & Decay die pulsierenden Rhythmen des urbanen Tanzes auf das Spielzeitthema von TANZ_KASSEL stoßen, das japanische Konzept des Kaika (Ë“ü£). In einer Welt, die von Chaos, Zerstörung und sozialer Unruhe geprägt ist, wird der Moment der Blüte zu einem Symbol für die paradoxe Schönheit, die aus Dunkelheit und Vernichtung hervorgeht, um schließlich wieder in die Zerstörung zu führen. Der Sound von Randomhype, alias Christian Düchtel, in Blossom & Decay ist mehr als nur ein klanglicher Hintergrund: Er wird zum Nährboden, auf dem sich der Tanz entfaltet. Elektronische, urbane und pulsierende Klänge verstärken den Zyklus von Wachstum und Verfall und machen ihn erlebbar. Diese musikalische Basis beeinflusst den Tanz und wird gleichzeitig von ihm geprägt, ähnlich wie die Umwelt das individuelle und kollektive Leben beeinflusst. „Blossom & Decay lädt ein, die Vergänglichkeit des Lebens zu erkennen und zugleich den flüchtigen Moment von Schönheit und Aufblühen zu würdigen. Ich fordere das Publikum heraus, sich der Zerbrechlichkeit des Seins und der dualen Natur von Schönheit und Verfall bewusst zu werden. Dabei hinterfrage ich die Auswirkungen des Kapitalismus. Der Tanz wird so zu einer physischen Reflexion über das Werden und Vergehen im Kontext einer von kapitalistischen Interessen geprägten Welt.“ (Robozze) Christian Zacharas alias Robozee ist eine prägende Figur der Tanz- und Improvisationsszene. Er ist eine feste Größe in der deutschen Hip-Hop- und Popping-Szene und trägt maßgeblich zur Weiterentwicklung dieser Kunstform bei. Choreographie: Robozee Bühne und Kostüme: Nuphar Barkol Sounddesign: Randomhype Licht: Stefanie Dühr Video: Nuphar Barkol Dramaturgie: Lars Gunnar Anderstam, Thorsten Teubl
Aufführungen | Schauspiel

Zur schönen Aussicht

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Premiere: 6.9.2026 "Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu." Die Lage ist schlecht. Nicht nur das Wetter, auch die Finanzen. Eine schöne Aussicht hatte hier schon lange niemand mehr. Der Hotelbesitzer Strasser und seine Mitarbeiter wären bereit für Gäste, doch es kommt niemand. Einzig die Baronin Ada von Stetten finanziert das Hotel mit ihrer Dauermiete – sie bezahlt die Männer für alles, was sie ihr so bieten. Alle wissen: Das geht nicht mehr lange gut, das Hotel steht kurz vor dem Bankrott. Da steht auf einmal Christine vor der Tür! Im letzten Jahr hatte sie eine Affäre mit Strasser und da all ihre Briefe unbeantwortet blieben, möchte sie nun direkt vor Ort mit dem Vater ihres Kindes sprechen. Ohne sie auch nur zu Wort kommen zu lassen, vermuten Strasser und die Männer um ihn herum das Schlechteste. Sie denken, Christine möchte sich festsetzen, das Hotel an sich reißen, eine Heirat erzwingen. Deshalb schmieden sie einen gehässigen Plan, mit dem Strasser sich aus der Verantwortung ziehen und Christine loswerden kann. Aber Christine hatte ganz andere Pläne. Geld jedenfalls braucht sie nicht. Da ist nun einerseits die marode, dem Untergang geweihte Gesellschaft im Hotel, die von vergangenen Zeiten träumt. Andererseits Christine, die keine Angst vor der Zukunft hat und die richtigen Fragen stellt. Sie scheint aus ihrer Zeit zu fallen, man könnte meinen, sie hätte mit bell hooks über Liebe gesprochen, mit Chimamanda Ngozi Adichie über die Stellung der Frau in der Gesellschaft, mit Virginies Despentes über all die Forderungen, die noch gestellt werden müssten und mit Emilia Roig über neue Beziehungsmodelle. Vor knapp 100 Jahren scheiterte die Uraufführung von Zur schönen Aussicht leider an Geldmangel und konnte erst 40 Jahre später nachgeholt werden. Nun wagt die Regisseurin und Schauspielerin Katharina Marie Schubert einen Versuch, die Zeiten, die Aussichten und die Werte, die unser Leben heute bestimmen, neu zu beleuchten. Und vielleicht ergibt sich ja ein Moment von Kontakt, von Utopie und von Zukunft. Regie: Katharina Marie Schubert Bühne: Sibylle Pfeiffer Kostüme: Celine Walentowski Musik: Marcel Blatti Licht: Stefanie Franke Dramaturgie: Laura Kohlmaier
Aufführungen | Tanz

Lets talk about Trance

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

In der Saison 2024/25 setzt TANZ_KASSEL die TANZREIHE IM TIF mit SEASON 4 fort. In Let’s Talk About Trance setzen sich die Tänzer:innen von TANZ_KASSEL mit Punk, Trance und Ritual auseinander – Eine choreografisch-tänzerische Überwindung von Konventionen in der Engführung von Eros und Thanatos. In Transmuted Symphony wird der performative Körper zu einem Gefäß, das eine Brücke zwischen dem Ätherischen und dem Körperlichen schlägt – auch eine Brücke zwischen Leben und Tod, zwischen Diesseits und Jenseits. Die Choreografin Andrea Peña entwickelt zusammen mit den Tänzer:innen von TANZ_KASSEL eine immersive Bewegungserzählung, ein Narrativ, das eine tiefgehende Analyse von Ritual und Trance aufzeigt, welches sich durch unterschiedliche Kulturen zieht, in der ihr eigenen, sehr körperlichen und hoch athletischen choreografischen Handschrift. Andrea Peña benennt den Prozess der Kreation als „Punk as the new sublime“ und stellt konventionelle Ästhetik in Frage, indem sie rebellische Energie in die Choreografie einfließen lässt und das universelle Thema der Wiedergeburt aufgreift – eine vielleicht notwendige Entwicklung in unserer kulturellen Landschaft und auch in der Welt des Tanzes. Der Tanz wird zu einer Leinwand, auf der sich das Alte auflöst und Platz für das Entstehen zukunftsweisender Realitäten schafft. Die rohe und zeitgleich energetisch archaische Kraft des „Punk“, durchbricht etablierte Normen und Konventionen und erschafft ein kreatives Chaos. „Widerstand, dargestellt durch die Körper der Performer:innen, wird zu einer Sprache der kollektiven Anmut – eine starke Kraft, die vereint und ermächtigt. Der Tanz entfaltet sich als eine Reihe von Poetries of Insistence, in denen jede Bewegung einen Vers darstellt, der die Dringlichkeit der Behauptung individueller und kollektiver Identitäten zum Ausdruck bringt. Lebendige Fresken subkultureller Realitäten beleben die Bühne und stellen eine zeitgenössische Landschaft verschiedener Gesellschaften dar. Die Formensprache traditionellen Tanzes und vor allem des Balletts, werden von mir in Frage gestellt, indem ich Geschlechternormen aufbreche und fließende Ausdrucksformen von Identität und Liebe zeige.“ Andrea Peña Choreografie: Andrea Peña Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer Sounddesign: Coppélia LaRoche-Francoeur Licht: Stefanie Dühr Dramaturgie: Thorsten Teubl, Lars Gunnar Anderstam
Aufführungen | Schauspiel

End of beginnings, Ich fühls!

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Premiere: 4.9.2026 Hello hello, turn your radio on. Ist da jemand, da draußen? Dieser Radiocoaster ist ein Theaterstück. Und zugleich die erste Sendung. Wir senden live. Wir senden aus verschiedenen Jahren. Wir senden von der Bühne. On air wird moderiert, aus Archiven gelesen, Thomas Mann spricht zu den Deutschen Hörern, dazwischen: Musik. Die Kasselänerin Elisabeth Selbert, eine der vier Mütter des Grundgesetzes kämpft unermüdlich für die Formulierung des Artikel 3: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Off air und on stage gehen Beziehungen in die Brüche, Geschichten entwickeln sich parallel – das kleine Leben neben dem großen Rauschen. Doch die Außenwelt dringt nach und nach in das Studio ein; Geschichten, Schicksale, Zeiten überlagern sich, kippen ineinander. Lieder werden zu Szenen. Szenen werden Realität. Realität wird wieder Radio. Someone found a letter you wrote me on the radio. Ein Brief. Ein Geständnis, das eigentlich privat war – und plötzlich öffentlich. Liebe wird verlesen. Gefühle werden ausgestrahlt. Familienkonstruktionen entstehen und zerfallen zwischen Nachrichtenmeldungen und Jingles. Politik unterbricht Intimität. Intimität unterwandert Politik. Radio, live Transmission. Das Radio war immer ambivalent. Es war mehr als Unterhaltung: Es war Warnsystem. Zuflucht. Liebesbote. Widerstand. Radio Free Europe. Zensierte Stimmen. Ein Sprachrohr für Propaganda. Und gleichzeitig der Ort, an dem ein Lied spielte, das man nie vergessen hat. This won’t be played on your radio tonight. Genau hier beginnen die Lücken. Das Ungesendete, was nur im Live-Raum, auf unserer Bühne passieren kann. Dance, dance, dance to the radio. Joy Division trifft Donna Summer. R.E.M. trifft Shakespears Sister. Kitsch wird ernst genommen. End of beginnings, ich fühls! ist ein Abend über Zeit und Gleichzeitigkeit. Über Liebe und Kampf. Über Exil und Zuhause. Über Stimmen, die gehört werden – und über jene, die verschwinden. Turn the volume up. Vielleicht hören Sie etwas, das Sie schon lange gesucht haben. Regie: Sarah Franke Choreographie: Gili Goverman Bühne: Ann-Christine Müller Kostüme: Bettina Werner Sounddesign (bis Premiere): Rahel Hutter, Ariel Victor Schlichter Licht: Oskar Bosman Dramaturgie: Laura Ellersdorfer
Aufführungen | Oper

Die Fledermaus

Staatstheater Kassel - INTERIM

Der Champagner ist an allem schuld: Bevor der arrogante Eisenstein seine verordnete Haftstrafe antritt, lässt er es sich noch auf einem Fest des Prinzen Orlofsky gut gehen. Währenddessen empfängt seine Gattin Rosalinde zuhause ihren Liebhaber Alfred, bis der unglücklicherweise statt Eisenstein ins Gefängnis abgeführt wird. In der wohl berühmtesten Operette schwingt sich das dekadente Wiener Leben auf zum doppel- bödigen Tanz mit sektgetränkten Verwechslungsspielen, maskierten Seitensprüngen und bürgerlicher Scheinheiligkeit. Regisseur Philipp Moschitz reiht dieses Spektakel ein in die beliebte Tradition der rauschenden Theaterbälle in Kassel und lässt das Publikum selbst Zeuge und Komplize der „Rache der Fledermaus“ sein: Mittendrin statt nur dabei wird ausgelassen gegessen, sich betrunken und das eine Bein im Walzertakt geschwungen, während das andere schon im Gefängnis steht. Temporeich und voller feinem Humor kommen alle zum Zug, vom gelangweilten Kammermädchen bis zum beschwipsten Gerichtsdiener. Glücklich ist, wer vergisst, in welcher allzu vertrauten Dissonanz all die Leichtigkeit mit dem Wiener Zeitgeist steckt: beschämende Niederlage gegen die Preußen im Nacken, brodelnde Balkankrise und ein Börsencrash, der den hedonistischen Spekulanten ihre Feierlaune verdirbt. Angeheizt durch die wirbelnden Ohrwürmer des Walzerkönigs Johann Strauss verheddert sich die Ballgesellschaft im süßen Strudel ungeahnter Konsequenzen. Unter der musikalischen Leitung von Kiril Stankow entspinnt sich ein kulinarisches Feuerwerk musikalischer Verlockungen, die das sinnlich-sündige Vergnügen komplettieren. Musikalische Leitung: Kiril Stankow Musikalische Assistenz und Nachdirigat: Viktor Jugović Regie: Philipp Moschitz Bühne und Video: Ayşe Gülsüm Özel Kostüme: Claudio Pohle Choreographie: Sven Niemeyer Licht: Holger Tschersich Dramaturgie: Felix Linsmeier Chorleitung: Marco Zeiser Celesti
Aufführungen | Schauspiel

Ein Rummelnachtstraum

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Premiere: 28.8.2026 Der Rummel und die Fahrgeschäfte sind von 14 bis 18 Uhr und von 18 bis 22 Uhr geöffnet, die theatralen Aufführungen beginnen jeweils um 15 und um 19 Uhr ... Dreams are my reality … Ein Theaterstück auf dem Rummel? Ein Theaterstück auf dem Rummel! Das Staatstheater Kassel lädt ein zum sommerlichen Spektakel frei nach William Shakespeare. Zum Neustart der Schauspielsparte entführen Sie bildende Künstler:innen und Darsteller:innen in Shakespeares legendären Zauberwald, in dem die Alltagsregeln ausgehebelt werden. Die Tradition des Jahrmarktstheaters erwacht zu neuem unerwarteten Leben. Der gesamte Rummel ist Bühne und Ausstellungsort: Sobald Sie durch die Tore kommen, sind Sie Teil der Attraktion. Zwischen Schauspielhaus und Ottoneum – jenem Ort, wo Schausteller erstmalig sesshaft wurden – trifft Shakespeares Stück auf die Vergnügungslust unserer Zeit, greift in unsere Gegenwart und wird von dieser überschrieben. Rummel, Theater und bildende Kunst verschmelzen zu einer außergewöhnlichen Form des Erzählens, zu einer theatralen Erfahrung zwischen Zuckerwatte und Autoscooter. Ein rauschhaftes Erzählen, das der Lebensfreude der Jahrmärkte verpflichtet ist. Spüren Sie, was passiert, wenn Theater, Oper und Tanz mitten in den Rummel greifen! Der Theatrale Jahrmarkt ist eine Kooperation des Staatstheaters Kassel mit Schellbergs Veranstaltungsbetrieben und wird in Zusammenarbeit mit Bewegungsperspektiven für Licht, Kunst und Kultur e.V., dem Naturkundemuseum im Ottoneum und zahlreichen weiteren Partner:innen realisiert. Im Ticketpreis zusätzlich enthalten ist vier Mal die Nutzung von Attraktionen wie Autoscooter, Schießbude, Kettenkarussel und vielem mehr. Ein außergewöhnliches Theatererlebnis für Jung und Alt, ein Kunstrummel für alle. Regie: Alexander Eisenach Choreographie: Ilana Reynolds Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer Dramaturgie: Sara Dec Mit: Ensemble Schauspiel, Ensemble Musiktheater, Tänzer:innen von TANZ_KASSEL, PLUS-Ensemble
Aufführungen | Schauspiel

Auf diese Steine können Sie...

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Das Einfamilienhaus erscheint uns heute als natürliche Wohnform, ist aber eigentlich eine konservative Idee aus den 1950er Jahren: Als Teil von Konrad Adenauers innenpolitischem Versuch, die BRD als Bollwerk gegen den Kommunismus aufzustellen, wurden die gesetzlichen Grundlagen für den Bauboom von Einfamilienhäusern geschaffen. Deren Architektur prägt bis heute, wie wir unser Leben in Gemeinschaft organisieren. Einfamilienhäuser haben den Speckgürtel außerhalb des urbanen Zentrums geformt, die Deutschen zu einer Autonation gemacht und zum Wirtschaftswunder der 1960er Jahre beigetragen. Und sie haben einer fragilen Nachkriegsgeneration Stabilität gegeben. Das Gefühl, als „Häuslebauer“ nun endlich auch zur sozialen Schicht der Eigentümer zu gehören, erstickte jegliche sozialistische Idee im Keim. Dieser emotionale und politische Wert des Eigenheims wird bis heute von einer zentralen Protagonistin bestimmt: der Hausfrau. Entlang dieser historischen Symbolfigur, die uns heute als „Trad Wife“ im Internet begegnet, geht das Performance-Kollektiv hannsjana den Auswirkungen auf den Grund, welche die Baupolitik der 1950er Jahre auf das Leben von Frauen hat: überhitzte Städte, Wohnungsnot, kaputtgesparter öffentlicher Nahverkehr, Stress und Altersarmut. In einer Performance zwischen Kochshow und Dokumentation berichten Hausfrauen-Veteraninnen von ihrem Einsatz für den Kampf gegen den Kommunismus zuhause am Herd. Das Künstler:innen-Kollektiv hannsjana fragt mit viel Witz und Musik nach alternativen Lebensformen und entdeckt das subversive Potenzial der Hausfrau neu. Sie reißen die Klappen der Einbauküche ganz weit auf und singen: Auf diese Steine können Sie bauen / Auf diese Steine können Sie scheißen / Mit diesen Steinen können Sie schmeißen! Regie: hannsjana Komposition: hannsjana Bühne und Kostüm: Àngela Ribera Adrover Licht: Stefanie Franke Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Dramaturgie: Laura Kohlmaier In Kooperation mit dem Stadtarchiv Kassel und dem Archiv der deutschen Frauenbewegung.
Aufführungen | Musiktheater

Deutsche Symphonie

Staatstheater Kassel - INTERIM

Oh Deutschland, bleiche Mutter! In einem eindrucksvollen Kompositionsprozess von 1935 bis 1959 reagierte Komponist Hanns Eisler auf die deutsche Zeitgeschichte und stellte sein musikalisches Schaffen in die Dienste der Politik. Aus dem Moskauer Exil heraus schrieb er 1935 an seinen Denkpartner Bertolt Brecht: „Ich habe einen sehr interessanten Kompositionsplan und zwar will ich eine große Symphonie schreiben, die den Untertitel Konzentrationslagersymphonie haben wird.“ Hatte schon Beethoven für seine Neunte Chor und Solist:innen integriert, geht Eisler einen Schritt weiter und schafft mit seiner Deutschen Symphonie ein vokalsinfonisches Großwerk der antifaschistischen Emigration zwischen Oratorium und politischem Lied. Durchaus programmatisch aufgeladen und agitiert ruft die Deutsche Symphonie zum linken Widerstand der Arbeiterschaft gegen den Nationalsozialismus auf. Als politisches Bekenntnis gegen den rechten Terror zeichnet seine kompromisslose Komposition ein eindrückliches Bild von der Endzeit der Weimarer Republik über das Erstarken rechter Tendenzen hin zur Nachkriegszeit und der Teilung Deutschlands – immer mit Blick auf den möglichen Widerstand, der auch heute bitter nötig ist. Als Nationalhymnenkomponist steht Eisler in der DDR dann zwischen den Stühlen, denn auch hier lösen Anklage und Ideologie nicht die sozialen Probleme und seine musikalische wie inhaltliche Eindeutigkeit steht im starken Kontrast zu der Komplexität der Nachkriegszeit. Erstmals wird Eislers Deutsche Symphonie in Szene gesetzt: im INTERIM auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne, wo junge Männer aus Kassel und Umgebung gemustert wurden, auch schon vor knapp 100 Jahren. Nach La muette de Portici und Don Giovanni kehrt Regisseur Paul-Georg Dittrich zurück ans Staatstheater Kassel, und beschwört zusammen mit Kiril Stankow die Geister der Vergangenheit als warnende Stimmen der Gegenwart. Musikalische Leitung: Kiril Stankow Regie: Paul-Georg Dittrich Bühne: Pia Maria Mackert Kostüme: Anna Rudolph Video: Lukas Rehm Licht: Jürgen Kolb Sounddesign und Elektronik: Christopher Scheuer Dramaturgie: Teresa Martin
Aufführungen | Tanz

物の哀れ | Mono no aware | Das Wissen um das Ende ist bittersüß

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

„In meiner Choreografie reflektiere ich das Konzept von Mono no aware – der sanften Empfindsamkeit gegenüber der Vergänglichkeit. Es beschreibt die melancholische Traurigkeit, die uns überkommt, wenn wir die Zerbrechlichkeit der Welt und des Lebens erkennen. Doch diese Erkenntnis ermöglicht es uns auch, die Schönheit des Moments intensiver zu erleben, gerade weil er so flüchtig ist. Für mich geht es um das Spannungsfeld zwischen der Trauer über das Vergängliche und der Wertschätzung des Augenblicks. Es ist eine Auseinandersetzung mit dem Wissen um das Ende, das den Moment bittersüß macht, aber auch seine Schönheit verstärken kann. In diesem Zwiespalt finde ich eine tiefe, emotionale Wahrheit, die mich sowohl in der Literatur als auch im Leben begleitet und die auch Michios Leben prägte, welcher als Komponist und Lebenspartner ein wichtiger Begleiter auf dieser Reise hin zum Tanzabend Mono no aware ist.“ Die gebürtige Kubanerin Maura Morales analysiert die Zerbrechlichkeit des Lebens vor dem Hintergrund unserer neuen Gegenwart, in der neue Weltordnungen entstehen, Chaos, weltweite Flammenherde und die Rückkehr des Krieges zu einer neuen Normalität werden. Die Menschheit steht an einer Zeitenwende. Worauf müssen wir uns noch einstellen? Die Choreografie ergründet die flüchtige Schönheit des Lebens und die fragilen Widerstände, die inmitten von Konflikten und gesellschaftlichen Brüchen aufbrechen, zeigt die Zerbrechlichkeit des menschlichen Seins und die ständige Bedrohung der Welt und wird zu einer Meditation über das Werden und Vergehen, während die Dunkelheit immer näher rückt. Maura Morales und Michio Woigardt stehen für eine außergewöhnliche Verschmelzung von Tanz und Musik. Maura Morales bringt eine tiefgehende, emotionale Ausdruckskraft in ihre Choreografien, während Michio Woigardt mit seiner Musik die philosophischen und ästhetischen Konzepte der Bewegung intensiv unterstützt. Ihre Zusammenarbeit verbindet kreative Disziplinen auf einzigartige Weise und schafft ein beendruckendes Zusammenspiel aus Klang und Bewegung, das die Wahrnehmung und das Erleben des Publikums auf eine neue Ebene hebt. Choreographie: Maura Morales Bühne: Anna-Maria Peter Bühnenbild-Mitarbeit: Thorsten Teubl Kostüme: Maura Morales Mitarbeit Kostüme: Anna-Maria Peter Sounddesign: Michio Woirgardt Licht: Oskar Bosman, Florian Mohr Dramaturgie: Lars Gunnar Anderstam, Thorsten Teubl
Aufführungen | Tanz

tHE bAD / Shuv

Staatstheater Kassel - INTERIM

Hofesh Shechter zählt zu den herausragendsten und gefragtesten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Tanzszene. Er ist bekannt für seine eindrucksvollen Choreografien in einer einzigartigen Bewegungssprache, geprägt von hoher Physikalität und Körperlichkeit, mit eigenen Musikkompositionen in epischer Sprengkraft. tHE bAD ist eine abstrakte Choreografie, die darauf abzielt, gängige Muster und Strukturen zu durchbrechen, Anarchie zu leben und zu zelebrieren, aber auch zu hinterfragen. Das Stück feiert die Freiheit und die reine Bewegung, erforscht Rhythmus und choreografische Struktur(en) und untersucht im soghaft-vibrierenden Sound-Mix die Verbindung zwischen Musik und Bewegung, die Verbindung zwischen Leben und Tod. Eyal Dadon untersucht in Shuv das zyklische Verhältnis von Leben und Tod. Der Titel Shuv, was im Hebräischen „wieder“ bedeutet, verweist auf das fortwährende Kommen und Gehen von Leben und Tod. Für Dadon ist der Tod nicht nur das Ende, sondern ein ständiger Begleiter des Lebens, der im Werk in den fließenden Übergängen zwischen musikalischen und tänzerischen Schichten sichtbar wird. Die Bewegungen der Tänzer:innen sind von einem ständigen „Wiederbeginnen“ geprägt, als ob der Tod immer nur der Vorbote eines neuen Anfangs ist. Das Zusammenspiel des Sounddesigners Gil Yaacov Nemet und die Einbeziehung von digitalen und traditionellen Klängen aus beduinischen Kulturen sowie der Verbindung mit John Adams Shaker Loops, verleihen der Choreografie eine einzigartige Dimension, die den Tod als ständige Präsenz in einem endlosen Zyklus von Geburt, Leben und Verfall begreift: eine tiefe Auseinandersetzung mit den ständigen Übergängen im Leben und der Vergänglichkeit. Choreographie: Eyal Dadon Licht: Holger Tschersich Dramaturgie: Lars Gunnar Anderstam, Thorsten Teubl
Aufführungen | Schauspiel

Faust Gretchen

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Eine theatrale Videoinstallation von Bert Zander - gemeinsam mit Kasseler Bürger:innen „Meine Ruh ist hin“ – einer der Sätze, die bleiben, wenn man sich den Zitatenschatz aus Goethes Faust vergegenwärtigt. Ein Zitat, das das Dilemma Margaretes, genannt Gretchen, widerspiegelt. Der wohlsituierte Gelehrte Dr. Heinrich Faust hingegen ist in der Sinnkrise, verjüngt durch den Bund mit Mephisto drängt es ihn immer weiter zu weltbewegenden Abenteuern und ganz nebenbei zieht ihn das „Ewig Weibliche“ an. Heinrich ist hin- und hergerissen und sucht den Lärm der Welt. Und Gretchen? Goethe hat den realen Fall der Kindsmörderin Susanna Margaretha Brandt (1771) in Frankfurt verfolgt, parallel entstand sein Urfaust , der die althergebrachte Faust-Geschichte nunmehr um die Gretchentragödie ergänzt. Angesiedelt zwischen sozialer Situation und tragischer Liebesgeschichte erzählt sie das reale, fatale und ausweglose Schicksal einer jungen Frau jener Zeit. Nicht nur Faust und sein Begehren, sondern die gewaltigen Umstände der Zeit bringen Gretchen zu Fall. Frauen wie Gretchen waren meist unausgebildet, unwissend, abhängig und bedroht von Armut und Elend. Welche Spuren hinterlässt Fausts Vorwärtsdrängen im Leben Gretchens, die in bürgerlichen, aber doch ärmlichen Verhältnissen lebt? Welche Chance hatte sie im Leben und wäre ein sozialer Aufstieg überhaupt möglich gewesen? Eine junge Frau zwischen Begehren, Selbstbehauptung und sozialem Zwang auf der einen Seite und Bürger:innen auf der anderen Seite, die Gretchens Geschichte zu kennen glauben und sie aus ihrer Perspektive nacherzählen. Für Ihre Rolle als Gretchen war Emilia Reichenbach 2022 für den Gustav Rühle Preis nominiert. „Es ist Zeit, dass wir uns auf den Weg machen Gretchen 2021 ihre Würde zurückzugeben“, so Bert Zander, Regisseur und Videokünstler. Seine bisherigen Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Videokunst und Theater waren u. a. an der Volksbühne Berlin, am Thalia Theater Hamburg und am Burgtheater Wien zu sehen. 2020 realisierte er für 3sat / ZDF Camus’ Die Pest als theatrale Miniserie. Eine Kooperation mit der Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e. V. Regie: Bert Zander Bühne & Kostüme: Lene Schwind Schnitt: Fabián Barba Hallal Dramaturgie: Katja Prussas Mitarbeit Regie: Natascha Zander Regieassistenz: Lina Gasenzer Theaterpädagogische Vermittlung: Sabine Koller, Elisabeth Müller
Aufführungen | Schauspiel

Woman – Life – Freedom

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Am 13. September 2022 wird die kurdische Iranerin Jîna Mahsa Amini von der sogenannten Sittenpolizei verhaftet, weil sie ihr Kopftuch nicht vorschriftsmäßig getragen haben soll. Zwei Stunden nachdem sie auf der Wache ankommt, wird sie ins Krankenhaus eingeliefert und stirbt wenige Tage später an Kopfverletzungen. Anschließend geht eine Welle von Protesten durch den Iran. Jin, Jiyan, Azadî / Woman - Life - Freedom / Frau - Leben - Freiheit lautet die alte Parole, die Protestierende weltweit auf den Straßen rufen und die inzwischen für den Gedanken einer feministischen Revolution stehen. Was genau passierte da im Iran? Warum zu diesem Zeitpunkt? Wer protestierte und welche Konsequenzen hat und hatte diese Bewegung? Wie kann ich mich solidarisieren? In der gleichnamigen Veranstaltungsreihe am Staatstheater Kassel wird diesen Fragen auf den Grund gegangen. Das Augenmerk liegt hierbei darauf, sich über ein akutes globales Medieninteresse hinaus auf internationaler Ebene solidarisch zu zeigen. Die Reihe wird so lange fortgesetzt, wie die revolutionären Bemühungen im Iran, aller Widerstände zum Trotz, andauern. Seien Sie dabei, bei Gesprächen mit Expertinnen, Updates, Lesungen, Filmen und Recherchen, sodass ein Ort der Begegnung, des Widerstands, der Frauenrechte und der Freiheit entsteht. Folge 17: Rückblicke & Hoffnungen Im Herbst 2022 begann, mit Jina Aminis Tod die Woman – Life – Freedom Revolution und damit auch unsere gleichnamige Reihe am Staatstheater. Unsere letzte Ausgabe, am 25. Feb, hatte die Eskalation der Gewalt zum Thema und nur drei Tage später begann der Krieg. In den letzten Jahren ist viel passiert. Hier am Theater haben in 16 Folgen Künstler:innen, Autor:innen und Aktivist:innen Perspektiven aus dem Iran und der Diaspora sichtbar gemacht. Wir möchten eine Bestandsaufnahme machen und gleichzeitig fragen: Was können wir von hier aus (als Künstler:innen) weiterhin tun? Was kann die Zukunft bringen? Welche Themen dann im Mittelpunkt stehen, wird die Zeit zeigen. Mit: Leila Mohtadi, Touran Mohsenipour, Zohreh Almadani, Kibar Kay Delibas, Lisa Natalie Arnold, Laura Kohlmaier
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Great Balls of Fire! - Die Jerry Lee Lewis Story

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Die lodernden Geschichten von Sünde und Erlösung kommen aus Radio und Bibel: sie schlagen Funken in gebietender Predigt und lockendem Pop. Ein verlorener Sohn, Jerry Lee Lewis, stürmt aus der tiefsten Provinz ins nationale Rampenlicht, heiratet heimlich seine 13-jährige Cousine, die nur eine seiner insgesamt sieben Frauen sein wird, und wird verdammt. Jahre später beobachtet ein Nachtwächter von Graceland – dem Anwesen von Elvis Presley –, wie sich ein 76er Lincoln Continental schnarrend durch den Kies der Zufahrt gräbt und nach einer letzten Beschleunigung das Tor rammt. Der Fahrer ruft mit einer Stimme ebenso schallenden Chroms: „I want to see Elvis! Just tell him, the killer’s here.“ Justin Hibbeler spielt, singt und erzählt die Story von Jerry Lee Lewis, die auch die Geschichte des Rock ’n’ Roll selbst ist und davon, wie Lewis Schwarze und weiße Musik zusammengebracht hat. Entlang der hämmernden und schmachtenden Songs geht dieser Abend auf eine Reise durch trübe Swimmingpools, schwitzige Tanzsäle und die britische Klatschpresse. Das Ende ist nah, die Hölle heiß. Great Balls of Fire! – Die Jerry Lee Lewis Story, von unserem neuen Ensemblemitglied Justin Hibbeler, ist eine Übernahme des Landestheater Tübingen. Dort hatte es 2023 Premiere. Wir haben die Produktion nun nach Kassel geholt, wo sie wechselnd im Theaterstübchen und im TiF zu sehen sein wird. Regie: Justin Hibbeler Mitarbeit Regie: Olivia Müller-Elmau Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer Dramaturgie: Carlotta Huys Dramaturgie Wiederaufnahme: Alexander Olbrich
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Stück aus Holz

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

Ein Besuch im Forstamt, vielleicht in Hessen, dem Bundesland mit eigenem Urwald: Ein Sturm hat im Wald gewütet und die sowieso über Jahrzehnte ausgebeutete Forstanlage noch weiter beschädigt. Doch auch von Menschen abgeladener Müll, die hohe Waldbrandgefahr und der Borkenkäfer machen den Förster:innen in diesem Holzstück zu schaffen. Zu allem Überfluss sind durch die Aufräumarbeiten auch noch die geregelten Arbeitszeiten im Forstamt in Gefahr. Die Bedrohungslage ist ernst in Felicia Zellers neuestem Stück, in dieser waldigen Komödie voller hölzerner Sätze. Konfrontiert mit einer sich rasant verändernden Welt, in der Holz und Profit nah beieinander liegen, werden die Förster:innen und ihr Revierleiter vor die Frage gestellt, ob „Wald“ sich wirklich immer lohnen muss oder ob nicht doch das Nichtstun die Antwort sein könnte. Vielleicht kann die neu ernannte „Försterin für Umweltschutz und Nachhaltigkeit“ die Probleme beseitigen? Oder doch die Podcasterin Noa, die das Geschehen dokumentiert, einen Blick von außen behält und sogar den Borkenkäfer interviewt? In Stück aus Holz (UA), einem Auftragswerk für das Staatstheater Kassel, stehen Baumreihen neben Satzreihen, finden sich Kahlflächen und verlieren sich abgesägte Sätze im Wald. Die Autorin Felicia Zeller, bekannt für ihren scharfen Blick und bitterbösen Humor, schreibt Theatertexte und Prosa. Ihre Stücke wurden mehrfach zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Stück aus Holz (UA) ist ihre erste Arbeit für das Staatstheater Kassel, jedoch nicht ihre erste Zusammenarbeit mit der Regisseurin Marie Bues. Das Stück aus Holz wird der fünfte Text von Felicia Zeller sein, der in der Regie von Marie Bues auf die Bühne kommt. Bues ist bekannt für ihre experimentellen zeitgenössischen Theaterpraktiken und ihre enge Zusammenarbeit mit Autor:innen der Gegenwartsdramatik. Seit der Spielzeit 23/24 ist sie Mitglied des Leitungsteams am Schauspielhaus Wien. Regie: Marie Bues Choreographie: Mason Manning Bühne und Kostüme: Indra Nauck Sounddesign: Lila-Zoé Krauß Licht: Oskar Bosman Dramaturgie: Ulf Frötzschner
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Schamparadies

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

In einem Mietshaus am Kanal, außerhalb der Stadt, wohnen Mutter und Tochter. Die Mieten steigen und auch auf alle weiteren Krisen in ihrem Leben reagiert die Mutter handlungsunfähig und lethargisch. Da helfen auch die Vorwürfe und Bemühungen ihrer Tochter Vera nicht. Getrieben von (vererbten) traumatischen Erinnerungen überquert Vera den Kanal. Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist die Welt eine andere. Es riecht nach Körpern, es wuchert, es ist … Abseits. Hier sorgen zwei Furien, Tine und Mascha, dafür, dass die Scham einen festen Platz bekommt. Sie greifen gesellschaftliche Tabus an, schlagen, prügeln und bringen so die innersten Abgründe der Menschen zum Vorschein. Eine unheimliche und schöne Utopie. Käme es nicht zu diesem brutalen Zwischenfall in Garten Eden, als Matthias sich plötzlich einmischt. Sina Ahlers, Autorin des Erfolgsstücks Milch & Schuld (UA), erhielt für Schamparadies den Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2020. In diesem Text, der nun am Staatstheater Kassel zur Uraufführung kommt, mischt Sina Ahlers knallhart Realismus und Expressionismus, Bildhaftes mit ihrer eigenen Direktheit. Mal entlarvend humoristisch, mal schmerzhaft radikal, befragt sie Status und Körper. In einer ganz eigenen Formsprache legt sie den schmalen Grat zwischen Intimität und sexuellem Missbrauch offen und blickt so der Scham und ihren Ursprüngen ganz schamlos ins Gesicht In der Regie von Olivia Müller-Elmau, Regisseurin auf der Suche nach den widersprüchlichen zwischenmenschlichen Beziehungen und Gefühlen, werden Trauma und Scham, die, teils über Generationen hinweg, fest in den Körpern sitzen und dort wuchern, sinnlich erfahrbar. In Kooperation mit Mädchenhaus Kassel 1992 e.V. Regie: Olivia Müller-Elmau Bühne und Kostüme: Julius Böhm Sounddesign: Jens Kilz Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Soufflage: Camilla Colonna
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Raststätte Jammertal

Staatstheater Kassel - Schauspielhaus / TiF

„Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon Das Himmelreich errichten.“ Das schreibt der berühmte Dichter Heinrich Heine in seinem Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen, als er 1843 in sein geliebtes, sein gehasstes Deutschland reist, um seine Mutter zu besuchen. Schon seit zwölf Jahren lebt er im französischen Exil und hat Sehnsucht nach der Heimat: Heine, der Jude, der Christ, der Deutsche, der Franzose, der Romantiker, der Erotiker, der ironische Überwinder der Romantik – und der politische Schriftsteller. Der Freund von Marx und Engels erhofft sich eine emanzipatorische Revolution für Deutschland und kann doch nicht die Augen verschließen vor allem, was dem im Wege steht und was er kunstvoll-spöttisch in seiner Dichtung besingt: den deutschen Korpsgeist, die Spießigkeit, die Schwermütigkeit, die Ordnungsliebe und die gar nicht so liebe Ordnung, die durch Gewalt und Zensur in seinem Geburtsland herrscht. Und heute? Wo stehen wir in Bezug auf Heines Deutschlandkritik und seinem Ruf nach Veränderung angesichts der globalen Polykrisen, des allgemeinen Vertrauensverlustes in die Demokratie, der Rückkehr des Konservatismus, Autoritarismus, Chauvinismus, Populismus, Nationalismus, des universalen „Me First“, „Nation First“? Was ist aus Heines neuem Lied geworden? Singen wir wieder das alte? Autor und Regisseur Alexander Eisenach lässt sich in dieser Stückentwicklung von Heines lyrischem Werk inspirieren, um nach Zonenrandgebiet (UA) und Anthropos Antigone (UA) seine poetisch-politische Erforschung deutscher Geschichte in Kassel fortzuschreiben und die Frage nach unserem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis, unseren Zukunftsängsten und reaktionären Sehnsüchten – der GERMAN ANGST – zu stellen. Und doch, trotz alledem: „Gib dich zufrieden, Vater Rhein, Denk nicht an schlechte Lieder, Ein besseres Lied vernimmst du bald – Leb wohl, wir sehen uns wieder.“ In Kooperation mit dem In­sti­tut für Germanistik der Universität Kassel und dem Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben. Regie: Alexander Eisenach Bühne: Sibylle Pfeiffer, Carsten Rüger Lichtdesign: Carsten Rüger Kostüme: Bettina Werner Sounddesign: Sven Michelson Video: Oliver Rossol Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke Animation: Sarah Franke Dramaturgie: Alexander Olbrich Beleuchtungsmeister: Oskar Bosman

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